INTERVIEW

„Ich brauchte den Segen der Familie Fugger“

von Redaktion

Augsburg – Jakob Fugger hat auch die katholische Kirche aufgemischt. In St. Moritz, wo er Gemeindemitglied war, finanzierte er die sogenannte Prädikaturstiftung und erwarb damit das Recht, dass die Familie für alle Zeit über die Predigerstelle mitentscheiden darf. Auch der jetzige Pfarrer Helmut Haug musste sich den Segen der Fugger einholen. Wir haben den Pfarrer gesprochen.

Warum sicherte sich Jakob Fugger das Recht, über den Pfarrer mit zu entscheiden?

Jakob Fugger war eine geistlich ansprechende Predigt wichtig, was zur damaligen Zeit nicht unbedingt gegeben war, weil es viele ungebildete und an Glaubensfragen desinteressierte Kirchenleute gab. Das war Jakob Fugger ein Dorn im Auge, das hatte er wohl mit den Reformatoren gemein – auch wenn er nie daran gedacht hätte, die Konfession zu wechseln. Er war ja ein ausgesprochener Gegner der Reformation. Ein Konfessionswechsel hätte für ihn auch einen immensen Machtverlust bedeutet. Kaiser und Papst waren nun mal katholisch.

Auch Sie mussten also an der Familie Fugger vorbei.

Ja, das hat Jakob Fugger so beim Papst durchgesetzt. Ich bin 2002 nach St. Moritz gekommen. Die Diözese Augsburg hat mich angefragt, die Cityseelsorge, die an St. Moritz angedockt war, zu übernehmen. Ich habe zugestimmt, musste mich dazu aber auch der Familie Fugger vorstellen und mir ihren Segen abholen. Die Zusammenarbeit mit der Familie Fugger ist sehr, sehr angenehm. Jakob Fugger war es ja wichtig, dass die Menschen von der Kirche eine gehaltvolle Predigt bekamen. Das ist auch mein Anspruch. Ich finde, die Menschen haben ein Recht darauf, von einem Pfarrer was Gutes zu hören, das sie durch die Woche trägt.

Sie sind auch noch für die katholische Fuggerkapelle im evangelischen St. Anna zuständig, wo Jakob Fugger bestattet ist.

Einmal im Jahr halte ich dort den traditionellen Gedenkgottesdienst in der Fuggerkapelle, der diesmal wegen des 500. Todestags größer ausfallen wird. Ich schätze die Zusammenarbeit mit den evangelischen Kollegen in St. Anna sehr. Das ist ein wunderschönes ökumenisches Miteinander. Trotz aller Glaubenskriege über die Jahrhunderte hat man immer versucht, ein friedliches Nebeneinander zu gestalten. Es gab heftige Zeiten zwischen den Konfessionen in der Geschichte und viele Wunden, die geheilt werden mussten. Wir können nur dankbar dafür sein, wo wir jetzt in der Ökumene stehen.

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