Letzte Idee für eine Wahlkampagne. © Heiko Sakurai
Schlagkräftige Politik aus Übersee. © Heiko Sakurai
Spannende Abendunterhaltung für die Jugend. © Heiko Sakurai
Die Bordkapelle gibt nicht auf. © Heiko Sakurai
■ Politik
In der Politik gibt‘s ein großes Missverständnis: Der Kanzler oben und wichtig, der Bürgermeister unten und unwichtig, so werden die Polit-Ebenen gern erklärt. Unfug: Kein Politiker ist für den Bürger wichtiger als die Entscheidungsträger im Lokalen, niemand hat so viel Einfluss aufs tägliche Leben in Dorf, Ort, Stadt. So gesehen findet am 8. März die wichtigste Wahl der Welt statt: Wir wählen unsere lokalen Gremien, Bürgermeister, Landräte (Stichwahlen am 22. März). Wer leidenschaftlich über Politiker schimpft, übersieht: Es ist ein Segen, Menschen zu haben, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, mäßig bezahlt und oft übermäßig beschimpft.
Wahlen, das Hochamt der Demokratie, gibt‘s 2026 auch in anderen Ländern. Besonders spannend, auch am 8. März: Das bisher grün regierte Baden-Württemberg sucht eine neue Landesregierung. Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) sind die Favoriten fürs Ministerpräsidenten-Amt. Am 22. März folgt Rheinland-Pfalz, am 6. September Sachsen-Anhalt, am 20. September Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem in Sachsen-Anhalt liegt die AfD vorn; rückt sie zum ersten Mal in eine Landesregierung ein? Außenpolitisch sind die Fragen 2026 noch tiefgreifender: Erfüllt sich der Hauch von Hoffnung auf Frieden in der Ukraine? Und hält die Waffenruhe in Nahost?
Ein paar Polit-Rituale begleiten uns durchs Jahr: Die FDP schickt ein Lebenszeichen vom Dreikönigstreffen (6. Januar), der Polit-Poltergeist tobt beim Passauer Aschermittwoch (18. Februar) und beim Gillamoos (7. September). Außerdem schiebt sich eine Personalie im Jahresverlauf in den Blick: Wer wird nächster Bundespräsident, und wann endlich ist es mal eine Frau? Im Herbst 2026 erwarten Kenner eine Vorentscheidung, wenn die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung klar sind. Viele sind da sehr gespannt. Man sagt: Ilse Aigner in Bayern ganz besonders.
■ Wirtschaft
Positives aus der Wirtschaft: 2025 gab es da nicht viel zu berichten. Auch 2026 könnte schwierig werden, sagen Wirtschaftsforscher. Deshalb sind es die kleinen Geschenke, über die man sich freuen sollte. Heraus sticht für Berufstätige und Familien aus einem Strauß von Minierleichterungen wie höheren Steuer- und Kinderfreibeträgen oder vier Euro mehr Kindergeld pro Monat die höhere Pendlerpauschale. Sie steigt 2026 schon ab dem ersten Kilometer von 30 auf 38 Cent. Gerade rund um die deutsche Pendlerhauptstadt München wird man das im Geldbeutel spüren. Beispiel: Wer knapp 40 Kilometer pro Tag fährt, bekommt bis zu 352 Euro mehr von der Steuer zurück. Das gilt übrigens auch, wenn man für den Weg zur Arbeit Rad, Bus oder Bahn nutzt.
Ab Januar kommt die Aktivrente. Wenn Rentner nach der Altersgrenze weiterarbeiten, sind dann vom Gehalt monatlich 2000 Euro steuerfrei. Allerdings gilt das nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – nicht für Selbstständige, Freiberufler oder Beamte.
Und sonst? Der gesetzliche Mindestlohn steigt von 12,82 Euro brutto in zwei Stufen: 2026 auf 13,90 Euro; 2027 auf 14,60 Euro. Mehr Minijobber dürfen statt 556 bis 603 Euro im Monat verdienen (7236 Euro im Jahr). 2027 werden es 633 Euro sein. Die Renten steigen nach aktuellen Schätzungen um 3,7 Prozent (was sich aber noch ändern kann), die Ehrenamtspauschale steigt von 840 auf 960 Euro im Jahr, die Übungsleiterpauschale von 3000 auf 3300 Euro. Verbraucher haben ab dem 19. Juni mehr Schutz vor Fehlkäufen im Internet. So müssen Seiten, auf denen man per Klick kaufen kann, einen Widerruf-Button haben.
■ Kultur
Das Konzertjahr 2026 steht im Zeichen eines letzten Wiedersehens, eines ersten Wiedersehens und eines vehinderten Wiedersehens. Letzteres ist schnell erklärt: Die Rolling Stones kommen nicht wie geplant Anfang Juli nach München, weil Gitarrist Keith Richards (82) sich keine Tour mehr antun will. Ein Jammer, denn das bedeutet wohl, dass man die größte Rockband der Welt hierzulande nicht mehr live erleben wird.
Ein letztes Wiedersehen gibt es heuer wohl mit den Toten Hosen. „Trink Aus! Wir Müssen Gehen“ heißt die Tour, im Rahmen derer sie am 8. und 9. Juli im Münchner Olympiapark auftreten. Bei den vielen Trinkliedern, die die größte deutsche Rockband gerade in ihrer Punk-Jugend eingespielt hat, bedeutet das wohl das Ende. Ein Trost bleibt: Dass die fünf Düsseldorfer um Sänger Campino sich ein Beispiel an ihren Vorbildern, den Ramones, nehmen. Die gingen seit Anfang der Neunzigerjahre regelmäßig auf Abschiedstour. Es musste ja nicht der letzte Abschied sein.
Auf ein erstes Wiedersehen freue ich mich im Fall von Marcos Valle. Eine Legende des brasilianischen Pop, die sich die Kammerspiele am 30. Mai geangelt haben und die ich schon lange gerne, aber noch nie live gesehen habe. Der Mann macht seit 1963 Musik, Alben wie „Samba ‘68“ und „Garra“ wiesen ihn als Meister des leichtgängigen Sommer-Sounds aus. Mal sehen, ob sich der 82-Jährige seine samtene Stimme hat erhalten können.
82 Jahre, genau wie Keith Richards. Ach, es wird schwer, über die Rolling Stones hinwegzukommen! Immerhin: Sie haben offenbar ein neues Album in den Startlöchern. Womöglich also noch etwas, auf das man sich 2026 freuen kann.
■ München/Oberbayern
Mittenwald, diese Schönheit im Karwendel, ist ja immer eine Reise wert. Berge, Lüftlmalerei und Geigen haben den Ort im Kreis Garmisch-Partenkirchen nahezu weltberühmt gemacht. 2026 lohnt ein Besuch besonders: Denn es ist wieder Bozner Markt – vom 1. bis zum 9. August. Dann verwandelt sich die Marktgemeinde in die Heimat eines Historien-Spektakels samt Gauklern, Weinschänken und Marktständen. Das Ortszentrum wird zum Handels- und Handwerkermarkt aus dem 16. Jahrhundert.
Was sonst noch Vorfreude macht? Das Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor wird endlich wieder eröffnet. Irgendwann Mitte des Jahres soll es so weit sein. Und es sind Kommunalwahlen am 8. März. In München tritt Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) wieder an. Er hat beste Chancen auf die Titelverteidigung. Außerdem würden wir uns riesig freuen, wenn die S-Bahn mal keine Unpünktlichkeits-Katastrophe wird und am ersten Wiesn-Tag (19. September) die Sonne scheint. Ansonsten lassen wir uns von den nächsten 365 Tagen überraschen. Wird schon werden.
■ Sport
Streif in Kitzbühel? Biathlon-Weltcup in Ruhpolding? 2026 nur Randerscheinungen. Das Jahr ist pickepackevoll mit Höhepunkten. Oder wie Donald Trump sagen würde: „We make the Sport great again!“
Ab 15. Januar versuchen Deutschlands Handball-Männer das Frauen-WM-Wintermärchen bei der EM in Dänemark, Schweden und Norwegen fortzuführen. Nur eine Winzigkeit nach dem dortigen Finale geht‘s in Mailand, Cortina, Antholz, Bormio, Val di Fiemme – ach, Italien halt – um Winter-Olympia-Medaillen. Die Schnee- und Eissportler sind „on fire“.
Ab 11. Juni darf Donald zeigen, wie großartig er – pardon, die USA – eine Fußball-WM ausrichten kann. Zur Erinnerung, Herr Trump: Kanada und Mexiko sind Mitveranstalter. Erstmals sind 48 Mannschaften bei der Endrunde, die deutschen Gruppengegner Ecuador, Elfenbeinküste und Curacao machen Hoffnung aufs Weiterkommen. Es warten 104 Spiele an 16 Austragungsorten.
Zwischendrin kürt der Sport seine Meister, Pokalsieger, Champions-League-Könige, Europa-League-Heroen, Conference-League-Gewinner, Klub-WM-Helden, Wimbledon-Champs, Super-Duper-World-League-Möchtegern-Wichtigtuer und, und, und. Sie merken: Langweilig wird es 2026 nicht.