Vom Schuldenkind zum Kassenschlager

von Redaktion

Ludwigs Bauwut stürzte Bayern fast in die Staatskrise – heute besuchen Millionen Touristen Neuschwanstein und Co.

König Ludwig II. © Archiv

Ein Touristenmagnet: Schloss Neuschwanstein © imago

München – Menschenscheu, exzentrisch, unnahbar – König Ludwig II. werden viele Eigenschaften nachgesagt. Eines war er aber mit Sicherheit nicht: sparsam. Beim Bau seiner Traumschlösser Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein sowie seiner Luxus-Berghütte auf dem Schachen scheute der Märchenkönig keine Kosten. Bis 1884 hatte er einen Schuldenberg von 8,25 Millionen Mark angehäuft, 1885 waren es schon 14 Millionen. Heute wäre das in etwa das Neunfache in Euro. Nicht zuletzt wegen seiner teuren Bauwut wurde der „Kini“ im Juni 1886 entmündigt.

Damals stürzten Ludwigs opulente Bauprojekte Bayern beinahe in eine Staatskrise. Heute spülen die Schlösser Millionen in die Staatskasse. Im vergangenen Jahr nahm die Bayerische Schlösserverwaltung, die neben den Königsschlössern noch 45 weitere Prachtbauten betreut, rund 82 Millionen Euro ein.

Der Spitzenreiter unter den bayerischen Schlössern ist Neuschwanstein. Mehr als eine Million Menschen waren dort 2024 zu Besuch. Damit hat Neuschwanstein auch bundesweit die Nase vorn. Nach Linderhof kamen 350 000. Herrenchiemsee mit seiner barocken Fassade und streng symmetrischen Gartenanlage durfte knapp 310 000 Menschen begrüßen. Dagegen ist das Königshaus am Schachen ein echter Geheimtipp: 10 000 Touristen besuchten letztes Jahr den auf rund 1900 Metern im Wettersteingebirge gelegenen Holzbau.

Von einer großen Aufmerksamkeit für seine Schlösser träumte Ludwig nie. Im Gegenteil: Er wollte sie vor der Öffentlichkeit versteckt halten. Nach seiner Festnahme auf Schloss Neuschwanstein in der Nacht zum 12. Juni 1886 flehte er seinen Diener noch an: „Bewahren Sie diese Räume als Heiligtum, lassen Sie es nicht profanieren von Neugierigen!“ Am Abend darauf starb der Märchenkönig.S. BELLIVEAU

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