Ein Feuerwehrmann zündet eine Kerze vor der Bar an. © Antonio Calanni/dpa
Ein Partygast versucht, den Brand in der Bar in Crans-Montana mit einem Tuch zu löschen. © X
Bengalisches Feuerwerk auf Champagnerflaschen wurden bei der Party Richtung Decke gehalten, die dann in Flammen aufging. © x
Erschütterte Menschen trösten sich gegenseitig vor dem Unglücksort. © JEAN-CHRISTOPHE BOTT/epa
Angehörige, Freunde und Einwohner legen Blumen ab und zünden Kerzen vor der Unglücksbar an. Sie bringen so ihre tiefe Erschütterung über die Brandkatastrophe zum Ausdruck. © Alessandro Della Valle/dpa
Crans-Montana – Blumen, Kerzen, Teddybären und Abschiedsbriefe türmen sich vor der Unglücksbar in dem Nobel-Skiort Crans-Montana in der Schweiz. Angehörige, Freunde und Einwohner bringen so ihre Trauer und Erschütterung über die vielen toten und verletzen jungen Menschen zum Ausdruck, die in der Neujahrsnacht in der Bar „Le Constellation“ Opfer des verheerenden Brandes geworden sind.
Als erstes Todesopfer konnte ein 16-jähriger Italiener identifiziert werden. Emanuele G. galt als ein Golftalent. „Der italienische Golfverband trauert um Emanuele, einen jungen Sportler, der Leidenschaft und authentische Werte mitbrachte“, heißt es auf der Webseite des Verbands. Nur wenige der bislang 40 Todesopfer konnten aber bislang überhaupt Identifiziert werden. Schlimmstensfalls könne die genaue Zuordnung Wochen dauern. Die Behörden schalteten einen Aufruf an die Angehörigen mit der Bitte, Schmuckstücke zu beschreiben, die ihre Lieben in der Silvesternacht getragen haben. Die meisten Todesopfer liegen noch in der ausgebrannten Bar.
Der verheerende Brand kann noch weitaus größere Ausmaße annehmen: Der Präsident der Regierung des Kantons Wallis, Mathias Reynard, sagte der Regionalzeitung „Walliser Bote“, mindestens 80 der 115 verletzten Menschen befänden sich in einem lebensgefährlichen Zustand. Eines der Brandopfer wird in einer Stuttgarter Fachklinik behandelt. Informationen über deutsche Opfer gibt es weiter nicht.
Nach und nach kommen Geschichten von mutigen Menschen ans Licht, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten, um Verletzte zu retten. Passanten hatten sofort zugepackt, als sie die Schreie aus der Bar hörten. „Einer kam mit brennender Jacke rausgerannt, ich habe so gut es ging versucht, die Flammen zu ersticken“, berichtete Théo (19) im Schweizer Fernsehen RTS. Dennis (20) beschrieb eine volle Treppe, auf der zahlreiche Verletzte verzweifelt die Hände in die Luft reckten: „Wir versuchten, sie zu packen und nach draußen zu ziehen.“
Paolo Campolo (55) liegt wegen einer Rauchvergiftung im Krankenhaus. Er hat nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Helfern Dutzende aus der Feuerhölle gerettet. Sie waren auf der Rückseite der Bar. „Ich weiß nicht, ob es ein Notausgang oder Serviceausgang war, aber hinter dieser Tür waren verzweifelte Menschen“, sagte Campolo dem Nachrichtenportal „20 Minuten“. Er habe sie durch eine Scheibe gesehen. Sie hätten die Tür aufgebrochen und die Menschen herausgeholt.
Derweil arbeiten die Ermittler mit Hochdruck daran, die Ursache der Katastrophe zu klären. Medien zitieren Augenzeugen, die von Kellnerinnen berichten, die Sektflaschen, an denen Wunderkerzen oder Tischfeuerwerke befestigt waren, in die Höhe gehalten hätten. Dies sei Teil der üblichen Show für die Gäste der Bar gewesen. Die Feuerwerksfontänen seien der Decke sehr nahe gekommen und „plötzlich fing alles Feuer“, wird ein Zeuge namens Axel in italienischen Medien zitiert. Auch der 19-jährige Schweizer Nathan, der sich aus der Bar retten konnte, erzählte der Schweizer Zeitung „Blick“: „Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“ Sie habe diese so hoch geschwenkt, dass die Kerzen die Decke berührt hätten.
„Wie in jedem Fall wird in jede Richtung ermittelt“, sagte ein Polizeisprecher. Die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, hatte angekündigt, dass sie alles Material von Handys sichten und auswerten werde. Sie machte zunächst keine Aussagen zur Brandursache.
Die Regierung des Kantons Wallis sprach von einem sogenannten Flashover-Effekt: Der Begriff beschreibt einen heftigen Flammenüberschlag, der entsteht, wenn sich in einem geschlossenen Raum durch die hitzebedingte Spaltung organischer Verbindungen sogenannte Pyrolysegase ansammeln. Ab einer Temperatur von etwa 600 Grad entzünden sich diese Gase im gesamten Raum schlagartig. Durch diesen als „Durchzünden“ bezeichneten Vorgang steigt die Temperatur schnell auf über 1000 Grad. Trost kommt auch aus dem Vatikan: Papst Leo XIV. bekundet den Angehörigen sein Mitgefühl. Er hoffe auf Trost aller von diesem Drama betroffenen Menschen.