Verzweifelte Suche nach Kindern und Freunden

von Redaktion

Angehörige stellen Fotos von Vermissten ins Internet – Krisenzentrum am Unglücksort eingerichtet

Arthur Brodard (16) wird von Freunden gesucht. © Instagram

Alice Kallergis (15) wird vermisst. © Instagram

Crans Montana – Liegen sie schwer verletzt im Krankenhaus oder sind sie nicht mehr am Leben? Seit dem Inferno in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana suchen die beiden 17-Jährigen Eléonore und Elisa nach ihren Freunden, die in dem bei jungen Leuten beliebten Lokal Silvester gefeiert hatten. „Wir haben versucht, sie zu erreichen“, sagen Eléonore und Elisa, die im Kanton Wallis wohnen, über ihre Freunde. Einige ihrer Handys seien noch im „Le Constellation“ geortet worden. „Vielleicht haben sie ihr Telefon verloren.“ Das Feuer in der Bar brach während der Silvester-Party in der Nacht zum Donnerstag gegen 1.30 Uhr aus. Augenzeugen berichteten, wie sich die Flammen rasend schnell im Untergeschoss des Lokals ausbreiteten und die Gäste in Panik schreiend versuchten, der Feuerfalle zu entkommen.

Die Behörden sprechen von 47 Todesopfern und 115 Verletzten. Die meisten von ihnen erlitten schwere Verletzungen. Da Crans-Montana viele internationale Gäste anzieht, wird mit einigen Nicht-Schweizern unter den Opfern gerechnet.

In Online-Netzwerken (auf Instagram unter Crans-Montana Avis de Recherche) überschlagen sich Suchanfragen, um vermisste Verwandte und Freunde zu finden. Auch Eléonore und ihre Freundin haben es auf diesem Weg versucht. „Wir haben lauter Fotos gemacht. Wir haben sie auf Instagram, Facebook, allen möglichen Sozialen Netzwerken gepostet“, sagt Eléonore. Dennoch hätten sie auf diese Weise nichts über das Schicksal ihrer Freunde erfahren. „Selbst ihre Eltern wissen es nicht“, sagt die 17-Jährige. Ihre Freundin Elisa sagt während des Gesprächs, sie habe gerade etwas über einen ihrer Freunde erfahren: „Er ist völlig verbrannt, er liegt im Koma“, sagt sie über den jungen Mann, der nun wie einige andere Verletzte aus Crans-Montana in der auf Brandopfer spezialisierten Uni-Klinik in Lausanne behandelt werde.

Ein paar hundert Meter entfernt von der Bar „Le Constellation“, die nun von blickdichten Planen umgeben ist, wurde ein Krisenzentrum eingerichtet. Polizisten sorgen dafür, dass Medienvertreter keinen Zutritt bekommen, damit sich Angehörige der Brandopfer unbehelligt Hilfe suchen können. Diplomaten und Behördenvertreter halten sie auf dem Laufenden, Experten für die psychosoziale Betreuung der Angehörigen stehen bereit. Auch Geistliche bieten in dem Krisenzentrum ihre Unterstützung an.

Crans-Montana steht weiter unter Schock. In den Cafés, die wieder offen haben, geht es am Freitagvormittag überall um das Feuer. Gäste sprechen darüber, dass sie Betroffene kennen oder wie lange es wohl dauern wird, bis Crans-Montana sich von diesem schrecklichen Ereignis erholt hat.

„Die Atmosphäre ist schwermütig“, sagt Dejan Bajic. Der 56-Jährige aus Genf macht bereits seit 1974 regelmäßig Urlaub in Crans-Montana. Der Ort sei „wie ein kleines Dorf: Jeder kennt jemanden, der einen Betroffenen kennt“, fügt er traurig hinzu.

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