Die verhinderte Hoffnungsträgerin

von Redaktion

María Corina Machado bekam den Friedensnobelpreis, aber Donald Trump sieht sie nicht als Präsidentin

Stunde der Freiheit: Maria Corina Machado © Parra/AFP

Caracas – Ein paar Stunden herrschte Stille. Dann meldete sich María Corina Machado endlich zu Wort. „Venezolaner, die Stunde der Freiheit ist gekommen“, erklärte die Friedensnobelpreisträgerin im Internet. Die 58-Jährige hatte jenen Preis erhalten, den Donald Trump so gerne bekommen hätte. Sie lebte im Untergrund, versteckt vor den Schergen des Maduro-Regimes. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist sie für viele Menschen in Venezuela eine Hoffnungsträgerin.

Nicht aber für Trump. „Ich denke, es wäre sehr schwierig für sie, die Führungsposition zu übernehmen, da sie weder die nötige Unterstützung noch den nötigen Respekt im Land genießt“, sagte der US-Präsident am Samstag. „Sie ist eine sehr nette Frau, aber ihr fehlt der Respekt der Bevölkerung.“ Machado selbst schien dem nicht widersprechen zu wollen. Für die Zukunft ihres Lands sei es am besten, Edmundo González Urrutia zum neuen Präsidenten zu ernennen. Er solle „sofort“ die Geschäfte des Staatschefs übernehmen.

Machado, eine konservative Politikerin, ist mit Trump verbündet und hatte ihm ihren Nobelpreis gewidmet. Sie rühmte ihn als „Verfechter der Freiheit“ und begrüßte den militärischen Druck, den die USA in der Karibik auf die linksgerichtete Maduro-Regierung aufgebaut hatten. Ein Plädoyer für eine direkte US-Intervention vermied sie jedoch. Der Druck auf Maduro müsse derart erhöht werden, „dass er versteht, dass er gehen muss, dass seine Zeit vorbei ist“.

Seit zweieinhalb Jahren lebt Machado im Untergrund. Nur gelegentlich tauchte sie in der Öffentlichkeit auf. Einmal hielt sie unangekündigt eine Rede auf der Ladefläche eines Lieferwagens und flüchtete dann auf einem Motorrad. Das Nobelkomitee ehrte sie „für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie“.

Den Preis nahm Machado allerdings nicht selbst entgegen, sondern ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado. Die venezolanische Oppositionschefin traf erst nach der Verleihung in Oslo ein – während der geheim gehaltenen, abenteuerlichen Reise über das Meer hatte sie sich einen Wirbel gebrochen. Zeitweise habe sie gedacht, ihr Leben sei „wirklich in Gefahr“.

Machado stammt aus wohlhabenden Verhältnissen, ihr Vater besaß ein Stahlunternehmen. Die gelernte Ingenieurin stellte in der Opposition gegen Maduro viel Widerstandskraft unter Beweis. Von der Präsidentschaftswahl im Juli 2024 war sie ausgeschlossen worden. Sie leitete stattdessen den Wahlkampf ihres Verbündeten Edmundo González Urrutia. Von ihr stammte auch die Idee, die Ergebnisse aller Wahlkreise zu sammeln und zu addieren.

Auf dieser Basis erklärte die Opposition González Urrutia mit 67 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger. Die regierungstreue Wahlbehörde rief indessen Maduro mit 52 Prozent zum erneuten Sieger aus, ohne dafür detaillierte Berechnungen vorzulegen. Zahlreiche Staaten erkannten das offizielle Ergebnis nicht an. Proteste ließ die Regierung gewaltsam niedergeschlagen. Und während Machado in Venezuela untertauchte, flüchtete González Urrutia ins Exil in Spanien.

Machado hatte sich erstmals 2002 in die Politik eingeschaltet und ein Referendum gegen den Präsidenten Hugo Chávez, Maduros Mentor, gefordert. Weil sie Morddrohungen erhielt, schickte sie ihre noch kleinen Kinder in die USA. Nach Jahren interner Grabenkämpfe kürte die Opposition sie bei Vorwahlen 2023 geschlossen zu ihrer Präsidentschaftskandidatin. Ihre Anhänger feiern sie als „La Libertadora“, also „Befreierin“ – in Anlehnung an den als „Befreier“ titulierten Nationalhelden Simón Bolívar. Doch durfte ihr Name schließlich nicht auf den Stimmzetteln stehen.

In ihrer Oppositionsarbeit hat Maria Corina Machado sich auch weitverzweigte internationale Kontakte aufgebaut. Dazu gehören rechtspopulistische Kräfte in Europa („Vox“ in Spanien) und den USA – einer der Gründe, warum ihre Ehrung mit dem Friedensnobelpreis auch Kritik erntete. J. TOVAR UND D. JAHN

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