So gelang der Coup von Caracas

von Redaktion

Neue Präsidentin ist Delcy Rodriguez. © Juan Barreto/AFP

Exil-Venezolaner feiern in Florida den Sturz von Machthaber Nicolás Maduro. © Giorgio Viera/afp

Ein bewaffneter Milizionär in Caracas. © Arguinzones/dpa

Kaum Anzeichen von Euphorie: Nach der US-Aktion stehen Menschen in Caracas vor einem Supermarkt Schlange. © Cubillos/dpa

Washington – Auch Stunden später wirkt er noch so, als begreife er nicht, was geschehen ist. In Badeschlappen und Kapuzenpulli geht Nicolás Maduro über den Flur der US-Anti-Drogen-Behörde DEA in New York, zwei Beamte führen ihn, in den Händen hält er eine kleine Wasserflasche. Am Abend zuvor war er noch als Staatschef Venezuelas ins Bett gegangen. Jetzt ist er ein Gefangener, dem der Prozess gemacht werden soll.

Maduro hatte das offenbar nicht kommen sehen, nicht zu diesem Zeitpunkt. Als die ersten Elitesoldaten der US-Spezialeinheit „Delta“ in das Schlafzimmer seiner Residenz in Caracas stürmten, versuchten er und seine Frau noch, in einen „Safe room“ zu flüchten. Doch offenbar konnten sie die Stahltür nicht mehr hinter sich schließen. „Er wurde so schnell überrumpelt, dass er es nicht hineingeschafft hat“, sagte US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz am Samstag. Maduro und seine Frau Cilia Flores hätten keinen Widerstand geleistet.

Gegen beide liegt eine Anklage des US-Justizministeriums vor. Maduro werden vor allem Drogenschmuggel und Korruption vorgeworfen. Er und seine Frau würden schon bald „mit dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz“ konfrontiert werden, sagte US-Justizministerin Pam Bondi.

Monatelang hatten sich die USA auf die Luftlandeaktion „Absolute Entschlossenheit“ vorbereitet, die in Teilen an die Tötung Osama Bin Ladens in Pakistan erinnert. Auch 2011 hatten von Hubschraubern abgesetzte US-Elitesoldaten ein Gebäude gestürmt – damals wie heute verlief der Einsatz fast wie ein Wunder ohne US-Verluste. Und auch damals hielt Präsident Barack Obama die Aktion geheim, um ihren Erfolg nicht zu gefährden. Trump hatte den Kongress offenbar nicht informiert, was vor allem unter US-Demokraten für enorme Empörung sorgt. Ob das rechtens war oder nicht, ist umstritten. Trump verteidigt sich: „Der Kongress hätte es durchsickern lassen.“

Seit August hatte eine kleine Einheit des Geheimdienstes CIA in Caracas die Vorarbeit geleistet. Mithilfe lokaler Informanten waren die Wohnsitze und Gewohnheiten Maduros ausgekundschaftet worden. Gleichzeitig half tägliche Luftaufklärung vor allem durch Drohnen, die angeblich für die Verteidigung Venezuelas unsichtbar waren. „Wir wussten sogar, welche Haustiere Maduro hat und was er gegessen hat“, so US-Generalstabschef Dan Caine. Parallel trainierten die „Delta Force“-Soldaten ihren Einsatz auf einem US-Stützpunkt in Kentucky. Dort wurde Maduros Anwesen originalgetreu nachgebaut.

Am Ende warteten die Kommandos mehrere Tage, bis das Wetter für die Operation passte und sich Maduro, der zuletzt ständig seine Unterkunft wechselte, im gewünschten Gebäude aufhielt. Trump gab am Freitag endgültig grünes Licht. In seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida verfolgte er den Einsatz dann in Echtzeit. Er habe das alles „beobachtet wie eine Fernsehshow“, sagt er später.

Nachts um 2.01 Uhr landeten die Helikopter auf Maduros Anwesen, abgesichert von Kampfjets und Drohnen, die die venezolanische Luftabwehr lahmlegten. Außerdem kaperten US-Kräfte das Stromnetz in Caracas und legten Radare lahm. Wenige Minuten später standen die US-Einheiten in Maduros Schlafzimmer. Sie brachten die beiden Gefangenen zunächst auf das Kriegsschiff USS Iwo Jima in der Karibik, von dort wurden beide nach New York geflogen. Bilder zeigen Maduro mit verbundenen Augen im Flieger.

Wie es nun weitergeht? Trump betont, die USA würden Venezuela in einer Übergangsphase verwalten, US-Firmen sollten groß ins dortige Öl-Geschäft einsteigen. Von Maduros Nachfolgerin, der bisherigen Vizepräsidentin Delcy Rodriguez, forderte er Kooperation. Sie scheint nicht gewillt. Maduro sei „der einzige Präsident Venezuelas“, sagte Rodriguez in einer TV-Ansprache. Sie wolle die Ressourcen des Landes verteidigen.

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