Greift Trump jetzt nach Grönland?

von Redaktion

Nach dem US-Angriff auf Venezuela wächst in Europa die Sorge um die zu Dänemark gehörende Arktisinsel

„Wir stehen nicht zum Verkauf!“: Anti-Trump-Protest in Nuuk, Grönland. © dpa

München – Kaum hatte er den venezolanischen Staatschef festnehmen lassen, bekräftigte Trump einen alten Traum: Der US-Präsident will Grönland. „Wir brauchen es zur Verteidigung“, sagte er am Sonntag an Bord der Air Force One auf die Frage eines Reporters. Die Arktisinsel sei für die USA von großer strategischer Bedeutung. „Wir werden uns in etwa zwei Monaten mit Grönland befassen. Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“, fügte er hinzu – ohne zu erklären, was dann geschehen soll.

In Europa wächst die Nervosität. Grönland wird zwar weitgehend autonom regiert, gehört aber zum Königreich Dänemark – und damit zu einem Nato-Staat. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen warnte: Ein Angriff auf Grönland würde die Nato sprengen. „Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes Nato-Land militärisch anzugreifen, dann hört alles auf“, sagte sie. Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses – und der Sicherheitsordnung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht.

Rückendeckung bekommt Frederiksen von den großen europäischen Staaten. In einer gemeinsamen Erklärung betonen Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark: Über Grönland könnten nur Dänemark und Grönland selbst entscheiden. Die Insel „gehört ihrem Volk“, heißt es – und sei Teil der Nato. Sicherheit in der Arktis müsse deshalb gemeinsam gewährleistet werden. Die USA seien dabei „ein wesentlicher Partner“.

Schon 2019, während seiner ersten Amtszeit, hatte Trump Anspruch auf Grönland erhoben. In Kopenhagen hielt man das zunächst für einen Scherz. Doch inzwischen stellt er die Einverleibung als notwendig dar – und schließt nicht mal militärische Gewalt aus. Wer Trumps Drohungen bislang nicht ernst nahm, tut es spätestens seit dem Angriff auf Venezuela.

Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller sprach zuletzt sogar von der „offiziellen Position der US-Regierung“. Auf die Frage, ob Washington einen Militäreinsatz ausschließe, sagte er bloß: „Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn.“ Millers Frau, die frühere Regierungsberaterin Katie Miller, postete derweil eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben: „BALD“.

Trump begründet seinen Anspruch mit Sicherheitsinteressen. Grönland sei als größte Insel der Welt von russischen und chinesischen Schiffen umgeben, behauptet er. „Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen.“ Tatsächlich geht es wohl um mehr als Verteidigung: Unter dem Eis der Insel werden große Rohstoffvorkommen vermutet, darunter seltene Erden. Zudem macht der Klimawandel die Arktis zunehmend interessant für die Schifffahrt. Trumps Sicherheitsargument wird von Experten angezweifelt. Die USA unterhalten bereits eine Militärbasis auf Grönland.

Die Pituffik Space Base dient unter anderem der Überwachung von Weltraumaktivitäten und Raketenstarts. „Ich weiß nicht, wie viel eine zusätzliche Annexion bringen würde“, sagt Philip Bednarczyk von der Denkfabrik German Marshall Fund. Er führte mögliche „emotionale“ Gründe für eine Übernahme an. Es würde zur Trump-Regierung passen, Grönland als Teil der USA auf der Landkarte sehen zu wollen.

Die EU versucht derweil, eine offene Konfrontation zu vermeiden. „Wir müssen Trump besänftigen und die Bestie nicht reizen“, sagte ein EU-Diplomat der Nachrichtenagentur AFP. „Es gibt nichts, was wir tun können – und Trump weiß das.“(MIT AFP)KATHRIN BRAUN

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