Maduro: „Ich bin ein Kriegsgefangener“

von Redaktion

Anhänger demonstrieren in Caracas für die Freilassung Maduros. © Campos/dpa

Staatschefin unter Trumps Gnaden: Delcy Rodríguez beim Amtseid. © EPA

Begleitet von massiven Sicherheitsmaßnahmen wurden Maduro und seine Frau zum Gericht in Manhattan gebracht. Der Transport wurde im Fernsehen übertragen. © Agency People Image

München/New York – Nicolás Maduro humpelt zum Helikopter. Seine Frau Cilia Flores eilt ein paar Meter vor ihm über den Landeplatz in Brooklyn, Pflaster auf der Stirn, Blutergüsse im Gesicht. Erst wurden sie in einen gepanzerten Transporter gesetzt, dann in einen schwarzen SUV, nun werden sie quer über den Hudson River zum Gerichtsgebäude nach Manhattan geflogen: in Handschellen, olivgrüner Gefängniskleidung, flankiert von schwer bewaffneten Männern. Jeder Schritt wird am Montagabend live im Fernsehen übertragen. Es sind Bilder der Demütigung.

Nur bei der Anhörung selbst bleiben die Kameras draußen. Reporter berichten später, der entmachtete Präsident habe sich kämpferisch gezeigt – wenn auch auffallend nervös. Als der Richter ihn auffordert, seinen Namen zu nennen, platzt es aus Maduro heraus: Er sei von den USA entführt worden. „Ich bin immer noch der Präsident meines Landes!“ Der Richter unterbricht: „Es wird Zeit und Gelegenheit geben, sich mit all dem zu befassen.“

Nach nur einer halben Stunde ist der Termin vorbei. Maduro nennt sich einen „Kriegsgefangenen“, einen „anständigen Mann“. Dem Sozialisten, der Venezuela 13 Jahre lang autoritär regiert hat, wird „Narko-Terrorismus“ vorgeworfen. Seine „korrupte und illegitime Regierung“ soll sich mit Guerillagruppen und Kartellen verbündet haben, um „Tonnen von Kokain“ in die USA zu schmuggeln, heißt es in der Anklage. Die nächste Anhörung ist für den 17. März angesetzt. Bis dahin bleiben Maduro und seine Frau im Metropolitan Detention Center in Brooklyn – einem Gefängnis, das für eiskalte Zellen, Rattenbefall und Gewaltexzesse berüchtigt ist. Auch bekannt als „Hölle auf Erden“.

Seit US-Truppen den venezolanischen Staatschef am Samstag verschleppt haben, überschlägt sich die Weltpolitik. Während Maduro und Flores in Manhattan auf „nicht schuldig“ plädieren, tagt nur wenige Kilometer entfernt der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung. UN-Generalsekretär António Guterres spricht von einem Verstoß gegen die UN-Charta. Russland und China fordern die Freilassung des Paares. US-Botschafter Mike Waltz verteidigt die Aktion: Maduro sei ein „flüchtiger Drogenkrimineller“, kein Staatsoberhaupt. Es gebe „keinen Krieg gegen Venezuela oder sein Volk“. Der Einsatz kostete nach venezolanischen Angaben 24 Soldaten das Leben, zudem starben 32 kubanische Sicherheitskräfte, wie die Regierung in Havanna mitteilte.

Ein paar Stunden später wird Präsident Donald Trump in einem Interview mit dem Sender NBC gefragt, wer denn nun in Venezuela das Sagen habe. Die Antwort ist knapp: „Ich.“

Offiziell ist jetzt Delcy Rodríguez Venezuelas Staatschefin. Vorübergehend, unter Trumps Gnaden. Am Montag wurde Maduros Stellvertreterin und rechte Hand im Parlament vereidigt. Der „New York Times“ zufolge soll die 56-jährige Juristin Trump-Beamte zuvor mit ihrem Management der venezolanischen Ölindustrie beeindruckt haben. Rodríguez habe bereits zugesagt, künftige US-Investitionen zu fördern. „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen – wahrscheinlich einen höheren als Maduro“, warnte Trump. Er verlangt von Rodríguez „totalen Zugang“. Auch zum Erdöl des Landes.

Rodríguez, zwischen 2014 und 2017 Außenministerin, hat den konfrontativen Kurs Venezuelas gegenüber den USA lange mitgeprägt. Nun gibt sie sich kooperativ. Man wolle „gemeinsam ein Programm für Zusammenarbeit“ vorlegen, kündigt sie an. Zugleich lässt sie jetzt die Polizei nach Kollaborateuren jagen. Medienberichten zufolge erhielt das US-Militär Hilfe vor Ort. Mindestens eine Person aus Maduros innerem Zirkel soll ständig Informationen über seinen Aufenthaltsort geliefert haben.

Die Lage in Venezuela bleibt unübersichtlich. In der Hauptstadt Caracas demonstrierten am Montag tausende Maduro-Anhänger für seine Freilassung. Stunden nach Rodríguez’ Amtsantritt fielen in der Nähe des Präsidentenpalasts Schüsse. Die Polizei sprach von Drohnen über dem Stadtzentrum. Man habe „zur Abschreckung“ das Feuer eröffnet.

Die Oppositionsführerin María Corina Machado kündigte an, „so schnell wie möglich“ in ihre Heimat zurückzukehren. Rodríguez sei „eine der Hauptverantwortlichen für Folter, Verfolgung, Korruption und Drogenhandel“. Die EU fordert, die bislang versteckte Friedensnobelpreisträgerin in den Übergangsprozess einzubinden. Trump will davon nichts wissen – und hat rasche Wahlen ausgeschlossen. „Wir müssen zuerst das Land in Ordnung bringen“, sagt er. „Die Menschen können unmöglich wählen gehen.“(MIT DPA/AFP)

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