Der geheimnisvolle Lichterzauber

von Redaktion

Ein außergewöhnliches Himmelsschauspiel hat in der Nacht auf Dienstag auch weite Teile Süddeutschlands verzaubert. Verantwortlich für das Farbspektakel: Polarlichter.

Eine Webcam am Funtenseetauern in den Berchtesgadener Alpen hielt das Leuchten ebenfalls fest. © Foto-webcam.eu

Diese stimmungsvolle Aufnahme gelang Angela Eder am Kronthaler Weiher, ein Badesee im Landkreis Erding. © Eder

Polarlichter-Glück: Manuel Stanuschewski machte im Münchner Westpark Aufnahmen mit seinem Handy. © Stanuschewski

Der Himmel glüht: Bernd Pfitzner machte dieses Foto in Tutzing im Landkreis Starnberg. Zu sehen ist die römisch-katholische Pfarrkirche St. Joseph. © Pfitzner

München – Einmal im Leben will er sie sehen. Und als Manuel Stanuschweski am späten Montagabend durch den Münchner Westpark radelt, verfällt er in einen Rausch: „Da erkenne ich plötzlich so ein türkises Flackern am Himmel“, erzählt der 40-Jährige. Er hält Jogger an, ruft ihnen zu: „Schaut in den Himmel.“ Seine Wetter-App hatte ihm die Polarlichter angekündigt. Und kurz vor 23 Uhr ist es so weit. „Es kam mir nicht real vor“, erzählt er. Eine Webcam am Starnberger See verspricht ihm beste Sicht, eilig fährt er mit einer Freundin dorthin. Da tanzen die bunten Lichter noch ein wenig am Himmel, klingen aber schon wieder ab. Stanuschweski schnauft tief durch. Er ist selig.

Polarlichter sind Leuchterscheinungen am Himmel, die hauptsächlich in polaren Gegenden beobachtet werden, erklärt der Deutsche Wetterdienst. Am Nordpol heißen sie Nordlicht, am Südpol Südlicht. Doch dieses Mal kamen auch die Deutschen in den besonderen Genuss. Begeisterte Bürger zückten ihre Handys, verschickten bunte Bilder in den Sozialen Medien – selbst die Münchner Polizei. Web-Cams in der Region zeichneten die tanzenden Leuchterscheinungen in Grün und Rot auf.

Bernhard Buchner ist Leiter der Volkssternwarte München. In einfachen Worten erklärt er das seltene Naturphänomen: „Polarlichter sind geladene Teilchen, die von der Sonne kommen und mit dem Erdmagnetfeld interagieren“, sagt Buchner. Diese werden dann zu den Polarregionen hin abgelenkt und regen dort die Luftmoleküle zum Leuchten an. Das Besondere dieses Mal: Es sei ein starker Sonnensturm gewesen, der obendrein ziemlich genau auf die Erde zielte. „Die Teilchen flogen direkt auf die Erde zu.“ Deshalb habe man sie dieses Mal auch so gut gesehen in Deutschland.

Hinzu kamen zwei begünstigende Faktoren: „Es herrschte ein stabiles Hochdruckgebiet“, erklärt Buchner. Und der Peak fiel auf die Zeit zwischen 22 und 23 Uhr, wenn es bei uns schon dunkel ist. Optimal. „Dieses Mal war es richtig heftig, sodass wir das sogar in unseren Breitengraden toll sehen konnten.“ Buchner selbst beobachtete das Himmelsschauspiel auf freiem Feld in München-Riem. „Es war wie ein rot-pinker Vorhang aus Licht, gemischt mit grünen, türkisen und orangen Lichtern“, erzählt er. „Das war irre. Es war schon ein besonderer Leckerbissen für uns Experten.“ Ein Sonnensturm, der also selbst gestandene Astronomen umwehte. Auch Marco Sproviero von der Beobachtergruppe der Sternwarte im Deutschen Museum. „Es war sehr beeindruckend“, sagt er. „Und in dieser Intensität sehr selten.“

Sonnenstürme seien generell schwer und spät vorhersagbar und „völlig unregelmäßige Ereignisse“, erklärt Buchner. Das letzte nennenswerte Spektakel ereignete sich in unseren Breiten im November 2025. „Aber das war bei Weitem nicht so stark, da waren die Lichter nur zu erahnen.“ Selbst in der Nacht von 10. auf 11. Mai 2024 seien die Polarlichter nicht in der Qualität zu beobachten gewesen. Der aktuelle Sonnensturm habe sich ab Sonntag abgezeichnet, durch einen coronalen Massenauswurf der Sonne. „Je nördlicher man sich befindet, desto besser war das Ganze sichtbar.“ Ob sich das Spektakel die nächsten Tage wieder so gut beobachten lässt? „Ich vermute, dass der Peak schon rum ist“, meint Bernhard Buchner. „Trotzdem lohnt es sich, in den Himmel zu gucken.“

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