Der Panda-Pakt für München

von Redaktion

Große Pandas gibt es in Deutschland bisher nur im Berliner Zoo zu bewundern. © Britta Pedersen

Markus Söder verkündete die Panda-News an der Seite von Verena Dietl und Botschafter Deng Hongbo. © A. Schmidhuber

München – Wang Xiaohui, Parteisekretär der Kommunistischen Partei in Chengdu, machte große Augen. In denkbar steifem Ambiente hatte der denkbar steife Funktionär im März 2024 seinem Staatsgast einen Stoff-Panda überreicht. Doch dieser Gast legte eine für die asiatische Zurückhaltung schwer verdauliche Emotion an den Tag: Markus Söder drückte dem Stofftier einen herzfaften Kuss aufs Auge.

Knapp zwei Jahre später und 7700 Kilometer weiter westlich erscheint Söder gestern Vormittag bestens gelaunt zur Pressekonferenz im Tierpark Hellabrunn. Auf der Empore im Elefantenhaus tummeln sich Journalisten, Kamerateams und Mitarbeiter des chinesischen Botschafters, als Söder nach seiner Hüft-OP auf eine Krücke gestützt, aber ansonsten quickfidel, vor die Kameras tritt. In der Hand hält er den Stoff-Panda von Herrn Wang aus Chengdu. „Es stimmt“, bestätigt er einen Bericht unserer Zeitung: „Der Tierpark bekommt Pandas. Wir sind heute nicht nur weiß-blau, sondern auch ein bisschen schwarz-weiß“.

Bei seiner China-Reise im Jahr 2024 habe er sich „in die knuffigen Tiere verliebt“. Söder hatte in Chengdu auch die Aufzuchtstation besucht. Beim Gespräch mit dem chinesischen Premierminister in Peking habe er dann gefragt, ob München die beliebten Riesenbären nicht auch bekommen könnte.

In Deutschland gibt es Pandas bisher nur im Berliner Zoo. „Es ist einmalig in Europa, dass es in einem Land zweimal Pandas gibt“, sagt der Ministerpräsident hörbar stolz. München werde damit der achte europäische Panda-Standort. Spätestens 2028 sollen zwei Bären in Hellabrunn einziehen. Wie die Tiere heißen, wie alt sie sind und weitere Details sind noch nicht bekannt. Sicher ist, dass sie für mindestens zehn Jahre bleiben sollen. Danach werde man sehen, ob es zu einer Verlängerung des Vertrags komme.

„Billig ist es natürlich nicht“, räumt Söder ein. Knapp 18 Millionen Euro soll das Gehege der neuen Bewohner kosten. Dazu kommt eine Gebühr für das Artenschutzprogramm: circa 500 000 Euro bis eine Million pro Jahr. Zahlen wird den Panda-Spaß der Freistaat. Die Kosten für den enormen Bambus-Bedarf der Bären will Hellabrunn vor allem durch höhere Besucherzahlen decken, die nach Ankunft der Pandas erwartet werden. Bisher besuchen den Tierpark etwa zwei Millionen Menschen im Jahr. Höhere Eintrittsgelder für den Park sind vorerst nicht geplant, ebenso keine extra Gebühr, um die Pandas zu sehen, sagt Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Sie sitzt auch im Aufsichtsrat des Tierparks, der über die Angelegenheit entscheiden musste.

Neben Söder und Dietl äußern auch Tierparkdirektor Rasem Baban und der chinesische Botschafter, Deng Hongbo, Freude und Stolz über die Panda-Neuigkeiten. Die Übergabe der Bären sei ein wichtiges Symbol der Freundschaft und der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Bayern, sagt Hongbo auf Englisch. Zwischendurch versteht man den Botschafter kaum, denn die Elefanten zeigen sich von dem feierlichen Moment ziemlich unbeeindruckt und rütteln lautstark an einer Tonne, in der Pfleger Futter versteckt haben.

Zur Frage, ob die Panda-Haltung in Zoos wirklich zum Artenschutz beitrage, sagt Tierpark-Chef Baban, ihm sei nicht bekannt, dass Pandas, die in Zoos aufgezogen wurden, danach nicht mehr ausgewildert werden könnten. Insgesamt handele es sich bei der Panda-Zucht um ein „erfolgreiches Artenschutzprojekt“. Große Pandas zählen laut Weltnaturschutzunion IUCN zu den gefährdeten Arten. Nach Angaben von WWF leben aktuell knapp 1900 Große Pandas in freier Wildbahn.

In Hellabrunn bekommen die Tiere ein modernes Gehege: rund 5000 Quadratmeter groß, mit Innen- und Außenanlage. Das Zuhause der Riesenbären wird über großzügige Bambusflächen, Wasserzonen und Rückzugsbereiche verfügen. Baban verrät auch, wo: Die Pandas werden in die Geozone Asien ziehen, rechts neben der Dschungel-Welt. Dort wo aktuell die Lamas stehen, wird das Panda-Gehege errichtet. Der Park ist unterteilt in die Geozonen Afrika, Australien, Asien, Amerika, Europa und Polarwelt. Zugunsten der Pandas müssen die Paviane aus Hellabrunn ausziehen – wohin sie kommen, ist noch nicht bekannt. Er sei mit zwei Tierparks im Gespräch, verrät Baban. Die Lamas müssen innerhalb des Parks den Platz wechseln, sie werden in das Mühlendorf in der Geozone Europa ziehen.

Noch an Ort und Stelle wird der Panda-Deal besiegelt: Tierparkdirektor Baban und die Generalsekretärin der China Wildlife Conservation Association, An Lidan, unterzeichnen die Verträge vor den Augen der Medienvertreter und Elefanten. Der Spatenstich für den Gehegebau ist noch für 2026 geplant, Anfang 2028 soll die Anlage eröffnet werden.

Söder kann es kaum erwarten, dass München zur „Panda City“ wird.

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