So funktioniert Chinas Panda-Diplomatie

von Redaktion

Die beliebten Tiere geben dem autoritären Staat ein freundliches Gesicht – Und sie sind „ein lukratives Geschäft“

Seit Jahren Strategie: Präsident Xi Jinping 2017 mit Angela Merkel bei der Ankunft der Bären in Berlin. © SCHMIDT/AFP

München – China hat früh entdeckt, welche Anziehungskraft seine Pandas auf andere Staatsführer haben. Bereits im Jahr 685 schickte Kaiserin Wu Zetian zwei Riesenpandas nach Japan, um den dortigen Kaiser zu beeindrucken. Das moderne China setzte die Tradition fort: 1957 verschenkte es die ersten Bären an die Sowjetunion. Weitere Tiere folgten, vor allem an sozialistische Bruderstaaten. So richtig in Schwung kam diese „Panda-Diplomatie“ aber erst, als 1972 zwei Pandas in die USA geflogen wurden. Ein paar Wochen zuvor hatte Richard Nixon als erster amerikanischer Präsident das kommunistische China besucht.

Weltweit leben heute laut der Organisation Pro Wildlife etwa 60 Pandas in Zoos außerhalb Chinas. Verschenkt werden die putzigen China-Botschafter allerdings schon lange nicht mehr. Seit Mitte der 90er-Jahre lässt sich Peking die wertvollen Tiere teuer bezahlen. Im Ausland geborener Nachwuchs muss in der Regel nach China zurückkehren.

Für den China-Experten Bernhard Bartsch steckt hinter der Leihgabe aus China auch „politisches Kalkül“: „Mit dieser ‚Panda-Diplomatie‘ hat Peking ein sehr effektives Instrument gefunden, um weltweit für sich zu werben und ein positives China-Bild zu verbreiten“, sagte der Analyst der China-Denkfabrik Merics unserer Zeitung. „China nutzt die Bären seit Jahren als ‚Botschafter der Herzen‘.“

Politikwissenschaftler sprechen von „Soft Power“, wenn sich ein Land mithilfe seiner Kultur im Ausland Einfluss sichert. Deutschland macht das etwa mit den Goethe-Instituten. China betreibt im Ausland dutzende Konfuzius-Institute, an denen Interessierte Chinesisch lernen oder Kalligrafie-Kurse besuchen können. Wirklich attraktiv ist das Angebot allerdings nicht. Während Chinas Nachbarn Südkorea und Japan mit K-Pop und Mangas seit Jahren den Westen begeistern, ist chinesische Popkultur außerhalb Asiens quasi unbekannt. Bleiben die Pandas.

Mit den Bären hat Peking die perfekten Aushängeschilder gefunden. Die fortpflanzungsfaulen Tiere sind niedlich, sie sind unpolitisch, sie sind selten. Und sie sind ein Symbol für China, das jedes Kind kennt. Die Pandas geben China ein freundliches Gesicht – einem autoritären Staat, der seine Minderheiten unterdrückt und seine Nachbarländer schikaniert. Und der auch für die deutsche Wirtschaft zunehmend zum Problem wird, weil Chinas Wirtschaft schwächelt und das Land deshalb seine Überkapazitäten zu Billigpreisen auf die Weltmärkte schleudert.

München wird nach Berlin die zweite deutsche Stadt mit eigenen Pandabären. „Bayern wird in Peking als sehr chinafreundlich wahrgenommen. Außerdem gibt es einen engen wirtschaftlichen Austausch zwischen Bayern und China“, sagt Experte Bartsch. Dass China nun nach Berlin auch die bayerische Landeshauptstadt mit Bären beglückt, habe aber auch deutlich profanere Gründe, glaubt der Experte: „China hat im Moment sehr viele Pandas, die es hergeben kann. Die Zuchtprogramme waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich.“ Zudem sei der Panda-Verleih für China schlichtweg „ein lukratives Geschäft“.

Das Ziel von „Soft Power“ ist es, eine Bevölkerung so für sich zu vereinnahmen, dass sie letztendlich auch die Politik beeinflusst. Mit der „Panda-Diplomatie“ scheint das allerdings nicht so recht zu gelingen. „Ausländische Regierungen ändern ihre Politik gegenüber China nicht, um einen Panda zu bekommen, oder nachdem sie einen bekommen haben“, schrieb der Sinologe Falk Harting vor ein paar Jahren in einer umfangreichen Studie zum Thema. Umfragen zeigen seit Jahren, dass China in Deutschland zunehmend als Bedrohung wahrgenommen wird.

Ein Zoobesuch und ein paar niedliche Pandas dürften das kaum ändern.SVEN HAUBERG

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