Als Mercedes BMW kaufen wollte

von Redaktion

München – 140 Jahre Automobil – das bedeutet auch zahlreiche Höhen und Tiefen für Deutschlands wichtigste Branche. Manche Krise ist noch gut in Erinnerung und wirkt nach. Andere sind längst vergessen.

■ 1959: BMW wird fast schwäbisch

Ende der 50er-Jahre ist BMW ein Sanierungsfall. Die Münchner leiden unter Absatzproblemen. Ein Verkauf an Daimler-Benz ist geplant, scheitert aber auch am Widerstand von Kleinaktionären auf einer legendären Hauptversammlung im Dezember. Herbert Quandt baut seine Beteiligung massiv aus. Der neue Kleinwagen BMW 700 und später der BMW 1500 bringen das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur.

■ 1973: Die Ölkrise bremst die Autobranche

Tempo 100 auf Autobahnen, autofreie Sonntage: Die Ölkrise bringt 1973 dramatische Einschränkungen. Weil die Opec die Förderung drosselt, schießen die Benzinpreise durch die Decke. Die Neuzulassungen brechen ein – in der Spitze um 50 Prozent. Die Hersteller steuern mit Kleinwagen dagegen.

■ 1974: Der Käfer läuft nicht mehr

Er galt als Symbol des Wirtschaftswunders. Doch viel zu lange hielt VW am Käfer fest, der nach mehr als 25 Jahren kaum noch Käufer findet. VW fährt Kurzarbeit, rutscht 1974 tief in die roten Zahlen: 807 Millionen D-Mark Verlust laufen auf. Die Existenz des Konzerns steht auf der Kippe. Die Rettung bringt der Golf.

■ 1992: Wiedeking rettet Porsche

Sinkende Absatzzahlen und die hohe Abhängigkeit vom USA-Geschäft stürzen Porsche ab 1985 in eine tiefe Krise. Kurzarbeit, Stellenabbau und ein harter Sparkurs können ein Abrutschen in die roten Zahlen nicht verhindern. Anfang der 90er Jahre steht Porsche sogar kurz vor dem Verkauf. Toyota macht ein Angebot, Daimler-Benz bildet schon Rückstellungen. Doch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch verkaufen nicht. Stattdessen holen sie 1992 Wendelin Wiedeking als Sanierer an Bord. Und der reißt das Ruder herum.

■ 1993: Vier-Tage-Woche bei VW

Für VW ist es die heftigste Absatzkrise seit Jahren: Sinkende Nachfrage und Konkurrenz aus Japan und Südkorea lassen bei VW die Produktion 1993 um ein Sechstel einbrechen. Folge: Knapp zwei Milliarden D-Mark Verlust, 30 000 Jobs auf der Kippe. Um Massenentlassungen zu verhindern, vereinbart der damalige VW-Personalvorstand Peter Hartz Ende 1993 mit der IG Metall eine flächendeckende Vier-Tage-Woche.

■ 1994 bis 2000: BMW verhebt sich an Rover

1994 übernimmt BMW den britischen Autobauer Rover – auch um mit Daimler-Benz und VW mithalten zu können. Doch die versuchte Erweiterung vom Premium- zum Massenhersteller wird zum Fiasko. 1999 macht der BMW-Konzern 2,5 Milliarden Euro Verlust, Chef Bernd Pischetsrieder tritt zurück. 2000 verkaufen die Münchner Rover für symbolische 10 Pfund, Land Rover für drei Milliarden Euro. Geblieben ist lediglich die Marke Mini.

■ 1998 bis 2007: DaimlersChrysler-Abenteuer

Der damalige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp feierte die Fusion mit dem US-Autobauer Chrysler 1998 noch als „Hochzeit im Himmel“. In den folgenden Jahren versuchen die Stuttgarter, die US-Tochter zu sanieren. Chrysler steckt wegen mangelnder Nachfrage nach spritfressenden Geländewagen in den USA in den roten Zahlen. 2007 wird die Auto-Ehe dann geschieden.

■ 2005 bis 2009: Porscheübernimmt sich bei VW

Es war die wohl spektakulärste Übernahmeschlacht der deutschen Autoindustrie: Ab 2005 versuchte Porsche, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Und kam fast ans Ziel. Doch 2009 macht die Finanzkrise den Stuttgartern einen Strich durch die Rechnung. Porsche droht die Pleite. Als Retter springt ausgerechnet VW ein – und dreht den Spieß um.

■ 2008/2009: Finanzkrise und Abwrackprämie

Die Finanzkrise lässt weltweit die Verkäufe wegbrechen. Deutschland steuert mit einer Abwrackprämie dagegen: 2500 Euro erhält, wer sein Auto verschrottet und gegen einen Neuwagen eintauscht. Dem deutschen Automarkt gibt das 2009 kräftig Schub.

■ 2015: Winterkorn fällt über den Dieselskandal

In den USA kommt raus, dass VW seit Jahren bei Abgastests seiner Dieselmodelle betrogen hat. Konzernchef Martin Winterkorn muss wenig später gehen und wird nur wegen Gesundheitsproblemen nicht angeklagt. Die Aufarbeitung kostet VW 33 Milliarden Euro.

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