Starke Schmerzen bei jedem Schritt: Hüftprobleme können den Alltag beschwerlich machen. Oft ist es Arthrose, die das Feuer in der Hüfte entfacht. © Getty Images/Smarterpix
München – Hand, Knie, Rücken, Schulter. Die Gelenke sind einer unserer Schwachpunkte. Hüftschmerzen gehören zu den häufigsten Gelenkbeschwerden, junge sportliche Patienten sind genauso betroffen wie ältere Menschen. „Die Probleme sind vielschichtig. Sie reichen von leichten Belastungsschmerzen bis hin zu starken Einschränkungen im Alltag“, erklären Professor Rüdiger von Eisenhart-Rothe und Privatdozent Dr. Ingo Banke. In unserer Zeitung beschreiben die erfahrenen Hüftspezialisten vom TUM Klinikum rechts der Isar einfache Tests für den Alltag zur Selbsteinschätzung. Wichtig dabei: Diese Tests dienen nur zu einer Ersteinschätzung und liefern Orientierung, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Sie können eine ärztliche Diagnose nicht ersetzen.
Entzündung des Schleimbeutels
Typisch im Alltag: seitlicher Hüftschmerz direkt am Hüftknochen. Beim Draufdrücken oder Anlehnen nimmt der Druck deutlich zu, er fühlt sich oft brennend an. Häufig verstärken sich die Beschwerden beim Gehen und Treppensteigen und besonders beim Liegen auf der betroffenen Seite.
Beschwerdemuster: In vielen Fällen entsteht die Schleimbeutelreizung durch Überlastung, Fehlbelastung oder ist die Folge einer muskulären Schwäche der Gesäßmuskulatur.
Der schnelle Selbstcheck: Haben Sie Druckschmerzen – insbesondere beim Liegen auf der betroffenen Seite – sowie Beschwerden beim Gehen oder Treppensteigen? Das deutet auf eine sogenannte Bursitis trochanterica hin.
Das hilft: zunächst Schonung in der Akutphase, entzündungshemmende Medikamente und gezielte Physiotherapie. Es ist wichtig, die Auslöser für die Schleimbeutelentzündung zu enttarnen. Sonst läuft man Gefahr, dass die Beschwerden nach einer vorübergehenden Linderung wieder aufflammen.
Probleme mit der Gesäßmuskulatur
Typisch im Alltag: Schmerzen an der Hüftaußenseite, oft ähnlich wie bei einer Schleimbeutelentzündung. Darüber hinaus lässt aber häufig auch die Kraft nach, man geht unsicher, hinkt. Mitunter machen die Beschwerden den Betroffenen auch nachts zu schaffen.
Beschwerdemuster: Schmerzen an der Hüftaußenseite können auch eine andere Ursache haben als eine Schleimbeutelentzündung. In manchen Fällen liegt das Problem in den Gesäßmuskeln selbst: Sind sie geschwächt oder ihre Sehnen geschädigt, verliert die Hüfte an Stabilität.
Der schnelle Selbstcheck: Fühlen Sie sich unsicher beim Gehen, insbesondere beim Treppensteigen? Hinken Sie? Haben Sie in einem Bein spürbar weniger Kraft und zudem auch nachts Schmerzen – besonders stark, wenn Sie sich auf die betroffene Hüfte legen? Das könnte zu einer sogenannten Glutealinsuffizienz passen.
Das hilft: gezielter Muskelaufbau und Physiotherapie, betreut von einem Profi, der Erfahrung mit der Behandlung von Hüftproblemen besitzt. Die TUM-Profis haben dazu einen Trainingsplan mit effektiven Übungen erarbeitet, den man per E-Mail anfordern kann: ortho-ambulanz@mri.tum.de. Bitte beziehen Sie sich in Ihrer Mail auf diesen Zeitungsbericht. Lässt sich die Hüfte trotz Muskeltraining nicht ausreichend stabilisieren, kommt eine minimalinvasive OP infrage. Dabei werden unter anderem die Sehnen stabilisiert.
Einklemmung im Hüftgelenk
Typisch im Alltag: Viele Patienten berichten von Leistenschmerzen. Bei bestimmten Bewegungen haben sie das Gefühl, dass ihre Hüfte unrund läuft – als ob sich etwas einklemmt oder anstößt. Besonders oft macht sich dieses Problem bei Innenrotation und Beugung der Hüfte bemerkbar, etwa beim Sitzen in einer tiefen Position, beim Sport oder bei Drehbewegungen. Nicht selten sind jüngere, sportliche Patienten betroffen.
Beschwerdemuster: Beim Femoroacetabulären Impingementsyndrom (FAIS) passen Hüftkopf und Hüftpfanne nicht optimal zusammen. Unbehandelt kann dies unter anderem zu Schäden an Knorpel und Gelenklippe (Labrum) führen und mittel- bis langfristig eine frühzeitige Arthrose befeuern. Im Endstadium braucht der Patient ein künstliches Gelenk.
Der schnelle Selbstcheck: Fühlen Sie sich beim Sporteln immer öfter durch Hüftbeschwerden und insbesondere durch Schmerzen in der Leiste ausgebremst? Stellen Sie nach dem Training oder am Folgetag eine Verschlimmerung fest? Und: Fällt es Ihnen zunehmend schwerer, Schuhe oder Socken anzuziehen? Das können Indizien für ein Impingementsyndrom sein.
Das hilft: zunächst Verringerung der Belastung und Physiotherapie. Verbessern sich die Beschwerden auch nach sechs Monaten nicht, ist eine Hüftarthroskopie ratsam. Dr. Ingo Banke und seine Kollegin Dr. Vanessa Twardy nehmen etwa 300 bis 400 solcher Eingriffe pro Jahr vor, damit gehört das TUM Klinikum rechts der Isar auf diesem Gebiet zu den führenden Zentren in Deutschland. Bei der Hüftarthroskopie werden beispielsweise knöcherne Fehlstellungen im Hüftgelenk korrigiert, Gelenklippe und Knorpel gegebenenfalls repariert. Der Eingriff zielt darauf ab, dem Hüftkopf wieder eine möglichst kugelförmige und reibungsarme Kontur zu geben. ANDREAS BEEZ
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