Fans mit Rolling-Stones-Tickets im Jahr 1982. Preis damals: um die 40 D-Mark. © GY
München – Metallica für 65 D-Mark. Das war in den Neunzigern. Wer die Metal-Ikonen im Mai in Frankfurt sehen will, muss je nach Platz 160 bis 370 Euro hinblättern. AC/DC spielten 1996 noch für 52 D-Mark, vergangenes Jahr in München verlangten die Australier 165 Euro aufwärts. Die Stones begnügten sich 1976 in London noch mit vier Pfund, heute wären das umgerechnet um die 40 Euro. Das war mal.
Woran liegt das? „Insgesamt haben wir in der Musik einen Trend, der sich Superstar-Markt nennt“, erklärt Johannes Everke, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzertveranstalter (BDKV). In den vergangenen Jahrzehnten habe sich der Effekt enorm beschleunigt: 1982 habe ein Prozent der Künstler – die Superstars – 26 Prozent der Konzert-Einnahmen generiert. „Heute sind es über 60 Prozent der Einnahmen. Die Top-fünf-Prozent der Künstler machen geschätzt 85 Prozent der Umsätze aus.
Ein Trend, der sich generell beobachten lasse: „Die Algorithmen, die uns auf Spotify und YouTube die Musik zuspielen, die wir wahrscheinlich mögen, führen dazu, dass das Business eine Echokammer der Stars wird. Deswegen erleben wir eine exponentielle Zuspitzung des Marktes auf wenige Akteure.“ Also können die Veranstalter die Preise nach Belieben in die Höhe schrauben? Everke winkt ab: „Die Künstler definieren den Preis für Konzerte.“ Und weil sie aktuell nur noch 5,2 Prozent ihrer Einahmen aus aufgenommener Musik erziehlen, dafür 50 Prozent aus Live-Auftritten, griffen sie stärker zu. Das Management schreibe etwa eine Europa-Tour aus. „Wenige internationale Veranstalter, die das finanziell leisten können, werfen ihre Angebote ins Rennen und die Band hat ihr Geld gewissermaßen bereits in der Tasche, wenn sie ins Flugzeug steigt.“ Der Veranstalter aber müsse die Kosten refinanzieren. Dazu kämen die gestiegenen Kosten für Personal und Mieten.
Ein weiterer Negativ-Aspekt: „Unsere große Sorge ist, dass die Veranstalter den ,Circle of Life‘ nicht mehr aufrechterhalten können“, sagt Everke. Also die Tatsache, dass sie früher mit den Gewinnen aus Großkonzerten auch Touren kleiner Bands querfinanzierten, die zwar nichts einbrachten, die aber das Potenzial hatten, die Stars von morgen zu werden. „Das Risiko dieser Art von Nachwuchsförderung müssen sich die Veranstalter leisten können.“JOHANNES LÖHR, WOLFGANG HAUSKRECHT