Sie brachten die Welt in unsere Wohnzimmer

von Redaktion

Anne Will hatte bis Ende 2023 ihre eigene Talk-Show. © dpa

Karl-Heinz Köpcke 2008 in der Tagesschau. © imago

Wibke Bruhns und RTL-Mann Peter Kloeppel (re.). © imago

Hanns Joachim Friedrichs und Claus Kleber (re.). © pa/imago

Drei echte TV-Marken: Ulrich Wickert, Dagmar Berghoff und Sabine Christiansen (re.). © IMAGO/United Archives

München – Marietta Slomka ist in große Fußstapfen getreten – und hat sie fabelhaft ausgefüllt. Wir stellen die wichtigsten Männer und Frauen vor, die die Welt in die deutschen Wohnzimmer brachten.

Karl-Heinz Köpcke: „Mr. Tagesschau“ war die amtliche Stimme der alten Bundesrepublik, von Adenauer bis Kohl, 1959 bis 1987. Zur Köpcke-Zeit um 20 Uhr saß man aufrecht, ging nicht ans Telefon. Er wurde 2012 zum beliebtesten „Tagesschau“-Sprecher gewählt – 21 Jahre nach seinem Tod.

Wibke Bruhns: Sie wagte 1971 als erste Sprecherin der „Heute“-Nachrichten das Undenkbare – in einer Zeit, in der politische Kompetenz als männliches Privileg galt. In Briefen wurde sie aufgefordert, sich lieber um Mann und Kinder zu kümmern. Ihr journalistisches Gen lebt weiter: Wibke Bruhns war die Großtante von Louis Klamroth („Hart aber fair“).

Dagmar Berghoff: Die erste „Tagesschau“-Sprecherin musste auch 1976 noch gegen Vorurteile kämpfen. Frauen galten als zu emotional für harte Fakten. Dagmar Berghoff siegte durch Perfektion. Bis 1999 blieb sie die beinahe unfehlbare „First Lady“ der „Tagesschau“. Beinahe, weil ihr herrlicher Versprecher von Boris Becker beim „WC-Turnier“ (statt WTC) in die TV-Geschichte einging.

Hanns Joachim Friedrichs: „Hajo“ war bei den „Tagesthemen“ ab 1985 der erste „Anchor“ nach US-Vorbild, der gebildete Welterklärer. Seine Stimme – rauchig, autoritär, unerschütterlich – klingt bis heute nach. Seinen wichtigsten Satz sprach er 1989: „Die Tore in der Mauer stehen weit offen.“

Sabine Christiansen: Von der Flugbegleiterin zur mächtigsten Fernsehfrau Deutschlands – diese steile Karriere legte Sabine Christiansen hin, die ab 1987 die „Tagesthemen“ moderierte, und ab 1998 ihre ARD-Talkshow. Den Vorwurf, nicht hart genug nachzufragen, wurde sie nie ganz los. Doch niemand war so nah dran an Angela Merkel – so nah, dass Edmund Stoiber sie aus Versehen mit „Frau Merkel“ ansprach.

Ulrich Wickert: Mit „Monsieur Tagesthemen“ zogen 1991 „Savoir vivre“ und der Geist von Paris ins Studio ein. Der ARD-Aristokrat würzte die Nachrichten mit einer Prise Philosophie und französischer Lebensart. Der Tag war erst vorbei, wenn Wickert dem Land eine „geruhsame Nacht“ gewünscht hatte.

Peter Kloeppel: Er brachte ab 1992 Seriosität und journalistische Glaubwürdigkeit zu RTL. Sein (tragisches) Meisterstück vollbrachte er 2001, als er über sieben Stunden den Terrorangriff auf die USA einordnete – nicht als distanzierter Verkünder, sondern als Mitfühlender.

Anne Will: Ihr Markenzeichen als „Tagesthemen“-Moderatorin ab 2001 und ARD-Talkerin war die hochgezogene Augenbraue. So viel Ironie im engen Korsett der Nachrichten gönnte sie sich. Anne Will sah ihr Frausein sogar als Vorteil: „Ich beobachte, dass Frauen fragen, weil sie wirklich etwas wissen wollen – und nicht, um bestätigt zu bekommen, was sie schon zu wissen glauben.“

Claus Kleber: Er war der Transatlantiker – der in Trump-Zeiten fehlt. Claus Kleber kultivierte ab 2003 im „Heute-Journal“ den Mix aus intellektueller Schärfe und kalifornischer Gelassenheit. Sein Abschied 2021 war eine Zäsur, auch wenn er ihn nonchalant verpackte: „Ab und zu ändern sich die Nasen, die hier vorne stehen. Jetzt zum Beispiel. Gundula bleibt, ich gehe, Christian Sievers kommt. Alles gut.“JÖRG HEINRICH

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