Giuseppe-Meazza-Stadion: Hier ist Eröffnungsfeier. © pa
Antholz wird Olympia-Heimat der Biathleten. © imago
München – Falls sich noch jemand an die gescheiterte Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 erinnert: Entfernungen waren ein beherrschendes Thema. Mit der Bob- und Rodelbahn am Königssee könne man wohl nicht punkten, hieß es, zwei Stunden Fahrtzeit seien zu viel. Auch Ruhpolding, das bewährte Biathlon-Mekka – weitab vom Schuss. Lediglich Garmisch-Partenkirchen sei nah genug an der Zentrale München.
2026 spielen Distanzen keine große Rolle mehr. Die Winterspiele im Norden Italiens finden in mehreren „Clustern“ statt. Der Mailand-Cluster: Eishockey, Eiskunst- und -schnelllauf, Shorttrack. Im Fußballtempel Giuseppe-Meazza-Stadion steigt die Eröffnungsfeier. Die Santagiulia Arena für die Eishockey-Spiele geriet einen Meter zu kurz, im Januar waren die Kabinen noch nicht fertig, keine Zuschauersitze montiert. Alles werde fertig, heißt es.
Zum Cortina d‘Ampezzo-Cluster zählt Antholz, wo Biathlon stattfindet. In bei idealen Bedingungen 70 Minuten Fahrtzeit geht es über die italienisch-deutsche Sprachgrenze hinweg. Doch es drohen starke Verkehrsströme. Vor allem in die Täler hinein wird das Konzept der „Olympia Lane“, einer eigenen Spur für Olympia-Shuttles, nicht funktionieren. Es gibt in jede Richtung nur eine Spur. Und es geht über Serpentinen. Die beiden Hauptaustragungsorte Mailand und Cortina liegen 400 Kilometer auseinander: gut viereinhalb Stunden. Das Deutsche Haus, Treffpunkt für Athleten, Funktionäre, Sponsoren, Medien, steht in der Nähe von Cortina d‘Ampezzo,
Das Veltlin-Cluster besteht aus Bormio (Ski der Männer und die neue Disziplin Skibergsteigen) und Livigno (Snowboard und Ski Freestyle). Dass Männer und Frauen an unterschiedlichen Orten (Distanz: etwas mehr als 300 km, fünfeinhalb Stunden Fahrtzeit) Ski fahren, ist ein Novum bei Olympia. Der Nordische Skisport (Skilanglauf, Skispringen, Nordische Kombination) bezieht den Fleimstal-Cluster in Predazzo und Tesero. Mitmischen darf auch Verona mit seiner Opernarena für die Schlussfeier.
„Abfahrtsrennen würde ich gerne sehen. Auch Biathlon wäre cool“, meint der Rosenheimer Eishockeytorwart Philipp Grubauer, der zu den Spielen aus den USA eingeflogen kommt. Sein Standort wird Mailand sein – und er ahnt schon: „Was ich mir wünsche, wird nicht klappen. Alles zu weit weg, als dass man an einem freien Tag hinfahren könnte.“ Der Austausch von Athleten aus verschiedenen Sportarten wird, da es mehrere Olympische Dörfer gibt, diesmal sehr eingeschränkt stattfinden. GÜNTER KLEIN