Fast Halbzeit bei den Bauarbeiten

von Redaktion

Nach neun Jahren beginnen heuer erste Tunnelbohrungen

Die unterirdische S-Bahn-Station Marienhof besteht aus mehreren Stockwerken, hier gut zu sehen. © Götzfried

Grafik der geplanten Station Marienhof. Sie fußt auf einer fünf Meter mächtigen Bodenplatte aus Stahlbeton. © DB

München – Der Spatenstich für die 2. Stammstrecke jährt sich im April zum 9. Mal – doch ein Ende ist nicht in Sicht. Etwa zehn Jahre wird es noch dauern, ehe die ersten Züge auf der neuen Strecke zwischen Laim und Leuchtenbergring fahren können. Auf eine Jahreszahl geschweige denn ein genaues Datum legt sich das Projektteam um DB-Chefplaner Kai Kruschinski bisher nicht fest. Man liege derzeit knapp vor Halbzeit, schätzt Kruschinski. Immerhin: Die erste Tunnelbohrmaschine ist bestellt, sie soll ab September in der Baugrube nahe der Donnersbergerbrücke montiert werden und dann zunächst die kleinere Rettungsröhre Richtung Marienhof vorantreiben.

Die Rettungsröhre liegt zwischen den beiden separaten Hauptröhren, in denen einmal die Gleise – eines je Fahrtrichtung – für die 2. Stammstrecke liegen werden. „Der Dom der Frauenkirche selbst ist nicht im Einflussbereich dieses Tunnelvortriebs, sondern lediglich die einstöckige nördliche Sakristei“, sagt Kruschinski. Ab 2028 folgen die Verkehrstunnel. Die ersten sollen 2030 fertig sein. Derzeit wird an fünf Stellen gleichzeitig gebaut: bei Laim, zwischen Hirschgarten und Donnersbergerbrücke, am Hauptbahnhof, am Marienhof sowie an der Ostseite des Ostbahnhofs.

Am Marienhof sind die Bauarbeiten ganz unten angekommen. In 43 Metern Tiefe erstreckt sich eine etwa 100 mal 50 Meter große Fläche – so groß wie ein Fußballfeld, wie Projektingenieur Jan Ferko erklärt. Das mit den 43 Metern Tiefe stimmt allerdings nicht mehr. Denn auf den Untergrund wurde eine über zwei Meter starke Bodenplatte gegossen. Darauf wird noch eine gut 2,5 Meter dicke Betonmasse aufgetragen, sodass die Bodenplatte rund fünf Meter stark wird. Gewicht: über 40 000 Tonnen. Warum das Ganze? Die Station Marienhof liegt tief im Grundwasser, das derzeit abgepumpt wird – sonst könnten die Bauarbeiter nur mit Taucheranzügen arbeiten. Die Bodenplatte muss so massiv sein, um dem Auftrieb entgegenzuwirken – und um später den eigentlichen Bahnhof zu tragen.DIRK WALTER

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