Sie graben unsere zweite Stammstrecke

von Redaktion

Qualität, Kosten und Zeit sind sein Job: Bauingenieur Jan Ferko. Oben die zweite Stammstrecke (rot).

Arbeiten im Untergrund: Links Tunnelplaner Max Schwarz. Im Bagger sitzt Pavel Olender. Über ihm stehen Bauleiterin Louise Lund (li.) und Julien Schulz. © Markus Götzfried

München – Am Marienhof hinter dem Rathaus im Herzen Münchens bekommen tagtäglich besonders viele Menschen mit, dass da was Großes entsteht. Die Baufirmen Implenia und Hochtief haben das Baulos am Marienhof ergattert. Bis zu 150 Männer, aber auch einige Frauen, sind hier zugange. Ausgestattet mit einem Sauerstoffgerät für den Brandfall, einem Piepser, Bauhelm und Warnweste geht es per Aufzug bis ins dritte Untergeschoss. Danach führt eine wackelige Metalltreppe weiter. München ganz unten sozusagen.

In 43 Metern Tiefe treffen wir die halbe Europäische Union, denn: „Von den Nationalitäten kann man ganz Europa nennen, von Frankreich, Dänemark, Österreich, Türkei, Portugal bis Polen, Slowakei und Rumänien“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Warnschilder an der Baustelle Marienhof sind in sieben Sprachen abgefasst. Doch wer sind die Leute, die rund um die Uhr für München in die Röhre gucken? Wir haben sie gefragt.

■ Julien Schulz (35), Polier

„Ich komme aus dem Ruhrgebiet, Witten heißt die Stadt. Ich pendele wöchentlich zwischen München und Witten hin und her. 475 Kilometer sind es mit dem Auto. Die Baufirma stellt extra Wohnungen für Mitarbeiter, das passt schon. In der Baubranche ist das so, ich kenne es nicht anders. In München bin ich seit drei Jahren, davor war ich an der Neckartalbrücke eingesetzt – einer Autobahnbrücke bei Heilbronn. Ein Polier ist eine Schnittstelle zwischen den Bauarbeitern und der Bauleitung. Ich bin in die Fußstapfen meines Vaters getreten, der war auch Polier. München gefällt mir sehr gut, Skifahren im Winter, Wandern im Sommer. Ich könnte mir gut vorstellen, hier zu bleiben.“

■ Louise Lund (35), Bauleiterin bei Implenia

„Ich bin Dänin und komme aus der Nähe von Aarhus. Ich bin aber meinem Mann zuliebe schon vor zehn Jahren nach München gezogen und habe es nicht bereut. Seit 2019 arbeite ich im Stammstrecken-Projekt, vorher war ich beim Albvorland-Tunnel eingesetzt, einem Eisenbahntunnel, der zum Stuttgart-21-Projekt gehört. Hier kümmere ich mich derzeit um die Arbeitsvorbereitung für das Anbohren der Tunnel. Ich bin längst keine Einzelkämpferin mehr, in der Bauleitung haben wir fast 50 Prozent Frauenanteil. Aber klar, man muss erst beweisen, dass man weiß, über was man redet.“

■ Max Schwarz (28), Bauleiter Tunnelbau

„Ich bin seit Ende 2024 bei der Stammstrecke, war vorher bei der Sanierung des Crambergertunnels eingesetzt. Das ist ein Bahntunnel im Rheinland. Die Schicht ging immer neun Tage von Dienstag bis Mittwoch, danach konnte ich wieder nach München pendeln. Ich bin froh, dass ich jetzt hier bin und für meine Heimatstadt arbeite.“

■ Pavel Olender (45), Bauarbeiter

„Ich komme aus Waldbrzych, auf Deutsch Waldenburg, eine Stadt in Polen. Ich mache eigentlich fast alles hier, zum Beispiel Baggerfahren. Wir haben Zwölf-Stunden-Schichten, also von 7 Uhr morgens bis etwa 18 oder 19 Uhr abends mit einer Stunde Pause. Ich arbeite von Montag bis Donnerstag, danach fahre ich heim zu meiner Frau und den drei Kindern. Es sind 730 Kilometer, gut sieben Stunden mit dem Auto. Mein Vertrag geht noch bis September 2027, danach muss ich ich mal schauen. Es gibt genug Baustellen in Deutschland.“

■ Jan Ferko (29), Projektingenieur der DB

„Ich vertrete hier die Bauherrenseite, muss auf das magische Dreieck achten: Qualität, Kosten und Zeit. Ich bin Münchner und seit vier Jahren in dem Projekt hier am Marienhof. Es ist meine erste Stelle, die ich direkt nach dem Studium Bauingenieurwesen bekommen habe. Ich hätte es nicht besser treffen können, als Ingenieur ist das hier das Nonplusultra.“

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