Persiens letzter Schah liebte München

von Redaktion

Teheran: Ein Demonstrant zeigt den Kronprinzen. © dpa

Juni 1967: Der Schah schreitet die Front der Ehrenformation der Berliner Bereitschaftspolizei ab. © dpa

Der Schah, seine Frau Farah Diba, Kronprinz Reza und Prinzessin Farahnaz auf dem Krönungsfoto. Zuvor war er mit Soraya verheiratet (u. links), mit der er 1955 in München frenetisch emfpangen wurde (u. rechts). Beim Staatsbesuch 1967 kam es dann zu heftigen Protesten gegen den Schah, wie hier vor der LMU (u. Mitte). © pa, action press, Gebhardt (2)

München – Sie war schön, und die Welt lag ihr zu Füßen. Und sie war die zweite Frau des Schahs. Als Mohammad Reza Pahlavi und Soraya am 6. Juni 1955 in München eintrafen, wurden sie empfangen wie Popstars. Zehntausende Münchnerinnen und Münchner empfingen das Kaiserpaar am Hauptbahnhof, säumten die Straßen oder warteten vor dem Hotel Vier Jahreszeiten, um einen Blick auf die prominenten Besucher zu erhaschen. Die Polizei, so berichtete unsere Zeitung damals, hatte Mühe, die Massen in Schach zu halten.

Der Schah und Soraya, die eine deutsche Mutter hatte und teilweise in Deutschland aufgewachsen war, waren am Ende ihres Staatsbesuchs privat ein paar Tage in München. Entsprechend privat auch ihr Programm: Soraya sah man beim Shoppen mit ihrer Mutter, den Schah beim Gassigehen mit seinem Schäferhund. Hendl essen am Nockherberg stand ebenso auf dem Programm wie ein privates Abendessen im Salvatorkeller, ein Besuch der Pinakothek, des Luitpold-Theaters, und gemeinsam mit Sorayas Eltern sah man das Paar in Loge zwei im Circus Krone. Überall wurden sie von Münchnern begeistert empfangen und mit Jubelstürmen gefeiert.

Der Schah galt damals noch als Hoffnungsträger: Als Mohammad Reza Pahlavi 1941 den Pfauenthron bestieg, verkörperte er den Anspruch, den Iran in die Moderne zu führen: westlich orientiert, wirtschaftlich ehrgeizig und machtbewusst.

Und Soraya war Glamour pur. Die „deutsche Kaiserin“ auf dem Pfauenthron. Der Liebling der Klatschpresse. Der Hof der Pahlavis entwickelte sich zu einer Bühne des globalen Jetsets: Staatsbankette, exklusive Reisen nach Paris, Rom oder an die Côte d’Azur, Haute Couture aus Frankreich: Soraya avancierte zur Stilikone ihrer Zeit.

Die Kaiserin mit den „traurigen Augen“ , wie sie oft genannt wurde, faszinierte die Welt – und begeisterte die Massen, nicht nur in München. Doch die kinderlose Ehe wurde schließlich zum politischen Problem. 1958 ließ sich der Schah von Soraya scheiden. Seine dritte Ehe mit Farah Diba brachte dann den ersehnten Thronfolger Reza Pahlavi hervor sowie drei weitere Kinder.

Politisch regierte der Schah zunehmend autoritär. Oppositionelle wurden verfolgt, der Geheimdienst SAVAK wurde zum Synonym für Repressionen und Gewalt gegen Schah-Gegner. Nicht nur im eigenen Land. Auch international geriet Pahlavi immer mehr in die Kritik. Sein nächster Besuch in München Ende Mai 1967 fiel daher weniger herzlich aus. Auch dieses Mal begrüßten ihn Massen – die aber waren ihm nicht freundlich gesonnen: „An zwei Stellen der Fahrtstrecke gingen Bereitschaftspolizisten gegen Demonstranten vor, die „Mörder“ und „Nieder“ riefen und Pfeifkonzerte veranstalteten“, wie der Münchner Merkur am 1. Juni 1967 schrieb.

Auch vor der Oper protestierten weit über 1500 Menschen: Der Schah besuchte mit seiner Frau Farah Diba und dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel und dessen Frau Gertrud eine Aufführung. Die Proteste richteten sich auch an die Politik, die mit dem autoritären Regime zusammenarbeitete. Die CSU-geführte Landesregierung pflegte enge Kontakte zum Iran, und deutsche Konzerne waren an großen iranischen Infrastrukturprojekten beteiligt.

Die Demos in München waren nur Teil einer größeren Welle von Protesten in der Bundesrepublik im Zuge des Staatsbesuchs. Bei der Anti-Schah-Demo am nächsten Tag in Berlin wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen. Die Proteste gelten als der Beginn der sich formierenden 68er-Bewegung in Deutschland.

1967 war der letzte offizielle Besuch in München. Doch privat soll Pahlavi Kontakt zur Stadt gehalten haben. Ein wichtiger Grund sollen medizinische Behandlungen gewesen sein: Der Schah vertraute seit den 1960er-Jahren auf deutsche Spitzenmediziner, später auch wegen seiner Krebserkrankung, die lange geheim gehalten wurde und an der er 1980 im Exil in Kairo verstarb. Dorthin war er im Januar 1979 nach seinem Sturz geflohen.

Soraya kam nach ihrer Scheidung vom Schah immer wieder nach München, auch für länger. Sie lebte nicht dauerhaft an einem einzigen Ort, sondern pendelte zwischen verschiedenen europäischen Städten. Nach ihrem Tod 2001 kehrte sie für immer nach München zurück: Die ehemalige Kaiserin wurde am 16. November im Familiengrab auf dem Westfriedhof beigesetzt.

Artikel 4 von 4