Olympia kurios: Bauchplatscher und Torquotient

von Redaktion

Anni Friesingers legendärer Bauchplatscher. © pa

Markus Wasmeier bejubelt den Sieg im Super-G. © pa

München – An manche olympische Winter-Medaillen erinnert man sich noch heute. Weil sie so überraschend kamen, herbeigesehnt wurden – oder eine besonders skurrile Note hatten. Eine kleine Auswahl.

Innsbruck 1976: Kommenden Samstag treffen sich die (noch lebenden) Helden zum 50-Jährigen in Landshut. Bronze gewann die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft – und war sich dessen zunächst gar nicht bewusst. Ehe sie in der Kabine erfuhr, dass sie durch den abschließenden 4:1-Sieg über die USA einen um 0,041 besseren Torquotienten als Finnland hatte. Die SC-Riessersee-Spieler Franz Reindl und Ignaz Berndaner brachten die Medaillen sofort nach Hause ins nahe Gamisch-Partenkirchen, sie hatten Sorge, dass die Entscheidung revidiert würde.

Calgary 1988: Der Eiskunstlauf der Damen stand im Zeichen des Duells zwischen Katarina Witt (DDR) und Debi Thomas (USA) – dafür wurde auch im deutschen Westen nächtens aufgestanden. Beide Läuferinnen hatten „Carmen“ von Georges Bizet als Kürmusik ausgewählt. In der „Battle of the Carmens“ hatte Kati Witt die besseren Nerven, sie überholte die nach Pflicht und Kurzprogramm vor ihr liegende Thomas – und gewann Gold.

Lillehammer 1994: Zwei Jahre zuvor in Albertville gehörte Markus Wasmeier zum Favoritenkreis – im Riesenslalom fädelte er bei einem der ersten Tore ein, in der Abfahrt wurde er Vierter. Auch Lillehammer 1994 ging schlecht los: Platz 36 in der Abfahrt, man war sich einig: Die Zeit des Riesenslalom-Sensationsweltmeisters von 1985 ist vorbei. Doch dann: Gold im Super-G, Gold im Riesenslalom, beide Rennen gewann er mit Hundertstel-Glück. Seine einzigen Podest-Platzierungen der gesamten Saison – aber zum idealen Zeitpunkt.

Vancouver 2010: Es gibt einen neuen Wettbewerb im Eisschnelllauf: Skaten im Dreier-Team. Unvergessen das Halbfinale gegen die USA: Anni Friesinger berührt 300 Meter vor dem Ziel ein Begrenzungsklötzchen, strauchelt, fängt sich nicht mehr, stürzt auf der Zielgeraden, schlittert die letzten 20 Meter bäuchlings und Arme und Beine von sich gestreckt über die Linie, sodass es fürs Finale reicht. In dem startet die damals 33-Jährige nicht mehr, doch offiziell gehört sie zur Gold-Mannschaft, nachdem Japan auf zwei Hundertstel Abstand gehalten wurde.GÜK

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