Ukrainerinnen fliehen meist allein mit ihren Kindern. © IMAGO
München – Seit Beginn des brutalen russischen Angriffskriegs hört man in deutschen Städten immer mehr ukrainische Stimmen: im Supermarkt, in der Schule, in der Bahn. Meist sind es Frauen – und oft auch Kinder. Das hängt mit der Zusammensetzung der Geflüchteten zusammen: Von den mehr als 1,3 Millionen Menschen, die seit Februar 2022 nach Deutschland geflohen sind, sind knapp 360 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Unter den Erwachsenen stellen Frauen mit 61 Prozent die Mehrheit.
Ein zentraler Grund für diese Verteilung ist das Ausreiseverbot für wehrpflichtige Männer in der Ukraine. Zwar wurde die Regelung im vergangenen August für 18- bis 22-Jährige gelockert, dennoch bleibt der Anteil männlicher Geflüchteter deutlich geringer. Viele Mütter, die mit ihren Kindern nach Deutschland geflohen sind, mussten ihre Partner im wehrfähigen Alter in der Ukraine zurücklassen. Die Hälfte der Frauen mit Kindern gibt in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) an, ohne ihren Partner in Deutschland zu leben.
Trotz dieser familiären Trennungen bleibt Deutschland ein wichtiger Zufluchtsort: Für November 2025 verzeichnete das Statistische Bundesamt rund 19 000 Zuzüge aus der Ukraine. Gleichzeitig wurden 6600 Fortzüge registriert – die Nettozuwanderung lag damit bei rund 12 400 Personen.
Knapp die Hälfte der Geflüchteten will noch mehrere Jahre oder sogar für immer in Deutschland bleiben. Das geht aus der BiB-Studie hervor. Die meisten von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter – das Durchschnittsalter der Geflüchteten liegt bei 44 Jahren. Etwa jeder zweite der nach Deutschland geflüchteten Erwachsenen hat inzwischen einen Job gefunden: Laut BiB lag die Erwerbstätigenquote im Sommer 2025 bei 51 Prozent.
Die Verteilung ist dabei nicht gleichmäßig: Die meisten Ukrainer leben in Nordrhein-Westfalen (263 000). Danach folgt an zweiter Stelle Bayern (179 000). Dahinter liegen Baden-Württemberg (167 000) und Niedersachsen (113 000).SOPHIA BELLIVEAU