Kommt nicht: JD Vance, Vizepräsident der USA, hier bei seiner Ankunft am Münchner Flughafen im vergangenen Jahr. © dpa
Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz im Hotel Bayerischer Hof. © dpa
Der rote Salon im Palais Montgelas.
Eine Deluxe-Juniorsuite. So wohnen die Siko-Teilnehmer. © Fotos: Michaela Stache(3)
Werden viele Gespräche führen: US-Außenminister Marco Rubio (von links), Nato-Generalsekretär Mark Rutte und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. © Fotos: dpa (5)
Kommt auch zur Siko: Bundeskanzler Friedrich Merz.
Dabei: Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen.
Die Penthouse Garden Suite erfüllt mit Fitness-Raum alle Wünsche der Gäste.
Hotelchefin Innegrit Volkhardt. © ms
Von allen Seiten gesichert: Das Münchner Luxushotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz. © Nowak/HBH
Reden statt tanzen: Ein Blick in den Ballsaal, der während der Sicherheitskonferenz zum Tagungsort wird. © Nowak/HBH
München – Mit wem und wo wird sich Selenskyi zum Vier-Augen-Gespräch treffen? Kanzler Friedrich Merz ist nur ein paar Zimmer entfernt. Und wer wird die größte und schönste Suite im Luxushotel Bayerischer Hof bewohnen, wenn über 50 Staats- und Regierungschefs unter dem Vorsitz von Botschafter Wolfgang Ischinger bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz, kurz Siko genannt, über die Weltlage beraten. In einer explosiven Zeit, in der noch mehr Kriege drohen; in der das letzte nukleare Sicherheitsabkommen zwischen den USA und Russland ausgelaufen ist und klare wertebasierte Regeln nur noch eine unverbindliche Option sind.
Seit im vergangenen Jahr US-Vize-PräsidentJD Vance die 900 Siko-Teilnehmer mit Anti-Europa-Tiraden in Schockstarre versetzte, muss man auch am Wochenende auf fast alles gefasst sein. Wobei es für Aufzugfahren, in den Gängen oder Restaurants eine festgeschriebene Regel gibt, die „Munich Rule“: „Tretet in Kontakt miteinander, aber belehrt oder ignoriert einander nicht.“
Der Bayerische Hof wird drei Tage lang der sicherste Ort Münchens sein: mehr als 1000 Sicherheitskräfte, ein Drohnenabwehrsystem, Scharfschützen auf den Dächern. Jedes Blumenarrangement muss durch Sicherheitsschleusen. Und jeder der 700 Mitarbeiter ist polizeilich registriert. Nicht einmal Lieferanten dürfen das Hotel noch anfahren.
Alles, was gebraucht wird, ist längst gebunkert: Die Zutaten für 4000 Essen und 150 verschiedene Gerichte. Allein 1,5 Tonnen Fleisch und Fisch werden die 80 Köche verarbeiten. Vieles auch nach spezifisch religiösen Regeln; dazu müssen Unverträglichkeiten Einzelner berücksichtigt werden, die bis zu zwei Seiten umfassen können und im Vorfeld via Mail an das Hotel geschickt wurden.
1000 Flaschen Wein werden am Ende getrunken sein, vorwiegend Riesling. 2000 Flaschen Bier, 25 000 Flaschen Softdrinks, 16 000 Tassen Kaffee – daneben werden rund 1200 Stück Kuchen verputzt. Und 70 Zimmermädchen atmen auf, wenn sich alle Delegationen wohlgefühlt haben. Oft kennt man sich schon über Jahre und weiß um die Vorlieben des Gastes, zum Beispiel, wie viele Kissen er will.
Doch nicht alle können im Haus wohnen, die riesige US-Delegation residiert im Westin Grand, sie allein braucht 300 bis 400 Zimmer. Bei der Konferenz aber sind sie alle am Promenadeplatz. Die ganze Welt schaut auf den Bayerischen Hof, TV-Reporter und Journalisten berichten rund um die Uhr – am liebsten von der Empore mit Blick auf die Lobby oder den Ballsaal als Tagungssaal im Hintergrund. Das Haus ist voll: 2500 Teilnehmer mit NGOs und geladenen Firmen.
Wer wo genau im Bayerischen Hof wohnen darf, ist geheim. Die größte und schönste Penthouse Garden Suite (zwischen 12 000 und 15 000 Euro die Nacht) mit 300 Quadratmetern, Sauna, eigenem Fitnessbereich, Küche und Blick über München geht an eine Delegation aus dem Mittleren Osten, wir vermuten, einen Prinzen. Die Ranghöchsten residieren in den weiteren Suiten wie den Presidential- und Panorama-Suiten (100 bis 120 Quadratmeter, 4800 Euro), die auch höheren Sicherheitsanforderungen gerecht werden müssen.
Hotelinhaberin Innegrit Volkhardt (60), die 24 Stunden ansprechbar sein muss, bezieht ebenfalls ein Zimmer. Für die drei Tage übergibt sie das Hausrecht an die Konferenz. Denn sollte es zu einer Gefahrenlage kommen, müssen die Einsatzkommandos sofort reagieren können. Wenn es um Gästebelange geht, bleibt Volkhardt die Chefin. Und freilich – irgendwas ist immer.
In der Geschichte der Konferenz, die 1963 mit 60 Teilnehmern begann (nur zwei Mal wurde ausgesetzt, 1991 beim Golfkrieg und 1997 wegen des Wechsels in der Konferenzleitung), gab es noch nie größere Zwischenfälle: Nur einmal löste sich im noch alten Garden-Restaurant im Halfter eines Sicherheitsmannes ein Schuss, der im roten Marmor stecken blieb. Eine andere Herausforderung: Wenn jemand plötzlich im Englischen Garten joggen will, wie 2025 die damalige Außenministerin Annalena Baerbock, muss das Sicherheitspersonal nebenherlaufen.
Das Wichtigste passiert hinter verschlossenen Türen: Vier-Augen-Gespräche, die spontan verabredet werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird da besonders großen Bedarf haben, aber auch die USA. Wobei die iranische Führung nach den Gewaltexzessen an Demonstranten mit geschätzt 30 000 Toten wieder ausgeladen wurde.
Dafür kommt Schah-Sohn Reza Pahlavi – als Hoffnungsträger der iranischen Opposition und Kandidat für eine mögliche Übergangsregierung. Er wird viele Gespräche zu führen haben, um die angestrebte Rückkehr in den Iran über möglichst viele Regierungen absichern zu können.
Vier-Augen-Gespräche sind der schnellste Weg zur Verständigung, rund 2000 werden stattfinden, und dafür wurden im Hotel ganze Etagen geräumt – ein Drittel der 337 Zimmer. Darüberhinaus werden 40 Banketträume mit „Side-Events“ bespielt, zum Beispiel Essens-Einladungen. Außerdem stehen fünf Restaurants, sechs Bars, der Night Club und die Komödie zur Verfügung, in die die Konferenz übertragen wird.
Hotelsprecher Philipp Herdeg sagt: „Es ist ein sehr herausforderndes Wochenende, aber der Spirit und die besondere Atmosphäre sowie der Zusammenhalt im Team gleichen jede Anstrengung aus!“ Viele ehemalige Mitarbeiter kämen, „nur um uns an diesem Wochenende zu unterstützen!“. Selbst die Hotelverwaltung wechselt den Job. Kann also sein, dass die Personalerin in der Küche Kartoffeln schält.