Mehr Krise war selten

von Redaktion

München – Niemand sagt es laut, aber das Bedauern über das Fernbleiben des US-Vizepräsidenten hält sich in Grenzen. Auch ohne JD Vance und seine Wutreden steht der Münchner Sicherheitskonferenz genug Drama bevor. Nie in seiner Zeit als Siko-Chef seien die Fragen, vor denen die Welt stehe, so herausfordernd gewesen wie jetzt, sagte Wolfgang Ischinger kürzlich unserer Zeitung. Von Freitag bis Sonntag treffen sich Top-Politiker aus aller Welt zur Krisen-Siko.

Auf den Podien und in den Hinterzimmern des Bayerischen Hofs wird es – natürlich – um Kriege gehen, laufende (Ukraine), ruhende (Gaza) und drohende (Iran). Während die Veranstalter den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in München erwarten, bleiben Vertreter aus Russland und Iran fern. Die Einladung an Teheran wurde nach der brutalen Niederschlagung der Anti-Regime-Proteste wieder gecancelt. Russland zeigte offenbar null Interesse an einer Teilnahme.

Ähnlich drängend: das transatlantische Verhältnis, das spätestens seit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident auf der Intensivstation liegt. Und, damit verbunden, die europäische Verteidigungsfähigkeit, die nötig ist – aber auch realitisch? Ohne die USA gehe es nicht, sagte ausgerechnet Nato-Generalsekretär Mark Rutte jüngst („Träumen Sie weiter“) und wurde öffentlich dafür abgewatscht. Vielleicht zeigt die Siko ja Wege auf, wie es doch geht.

Die Auftaktrede wird am Freitag Kanzler Friedrich Merz (CDU) halten, Top-Gast aus den USA ist Außenminister Marco Rubio. Das ist durchaus eine gute Nachricht. Er gilt als einer, der den Wert Europas noch zu schätzen weiß. Ganz anders als Trump oder Vance.MMÄ

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