Bayerns ältester Bürgermeister geht in Rente: Siegfried Luge (CSU), 82 Jahre alt, war 30 Jahre lang Rathauschef der Gemeinde Eching am Ammersee. Ein Gespräch über Abschied und Loslassen.
Gehen Sie mit Wehmut?
Nein, ich sag‘s ehrlich: Ich habe das gern gemacht. Aber diese Digitalisierung ist anstrengend. Gestern hat mir jemand vier Mails geschrieben, zu Themen, die man am Telefon in zwei Minuten abhandeln kann. Es wird nicht mehr persönlich geredet, nur digital kommuniziert – das tue ich mir nicht mehr an.
Auf was sind Sie stolz?
Als ich 1978 erstmals in den Gemeinderat gewählt wurde, habe ich ein Einheimischenmodell vorgeschlagen. Es hat acht Jahre gedauert, bis die Grundstückseigentümer überzeugt waren. Dann haben wir eine Sporthalle gebaut – für 3,8 Millionen Euro, für eine kleine Gemeinde ist das eine enorme Leistung. Mir war es wichtig, die Jugendlichen im Ort zu halten, die hatten vorher nicht viel. Heute ist die Halle mit Theaterbühne ein Mittelpunkt des Ortes. Dann wurde nach zwei Hochwasser-Katastrophen 1999 und 2000 die Windach wieder freigelegt. Und wir haben es geschafft, einen großen Discounter anzusiedeln, nachdem das mit einem Dorfladen nicht geklappt hatte – dabei hatte ich extra dafür ein Seminar besucht.
Ganz schön viel. Wurden Sie in Ihren Jahren als Kommunalpolitiker auch mal angefeindet?
Nein, das habe ich nie erlebt. Wenn was sein sollte, regele ich das selbst.
Würden Sie jungen Leuten empfehlen, in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ja, definitiv. Das ist doch eine schöne Aufgabe. Man kann Visionen haben und sie umsetzen.
Jetzt gehen Sie in den Ruhestand …
Nicht ganz. Ich trete in die zweite Reihe zurück, kandidiere noch mal als Gemeinderat. Wenn es klappt, mache ich 50 Jahre in der Kommunalpolitik voll und sitze mit meinem Sohn zusammen im Rat.