Mehr Gewalt gegen Bahnmitarbeiter

von Redaktion

Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung: Die Fallzahlen sind nach Angaben der Bundespolizei in Bayern stark gestiegen

Für mehr Sicherheit: Bundespolizisten patrouillieren am Münchner Hauptbahnhof. © imago

München – Es war am 6. November. Eine Zugbegleiterin fertigte den ICE 1004 (München–Berlin) auf Gleis 23 des Münchner Hauptbahnhofs ab. Plötzlich kam eine Personengruppe auf sie zugestürmt. Die Fahrgäste stießen die Frau zur Seite, rissen die Zugtür gewaltsam auf. Dann stießen sie die Bahnmitarbeiterin zu Boden, stürmten den Waggon und traten auf sie ein – Beleidigungen und Beschimpfungen inklusive.

Gestoßen, geschlagen und beschimpft: Für Bahnmitarbeiter ist das Alltag. Laut der zuständigen Bundespolizei wurden 2025 allein in Bayern 517 Angestellte von Eisenbahnunternehmen Opfer von Straftaten auf Bahnanlagen. Zum Vergleich: 2019 waren es laut der Behörde noch 366 Fälle. In den meisten Fällen erleben die Bahnmitarbeiter Gewalt, wie Bundespolizei-Sprecher Thomas Borowik auf Anfrage sagte: „Die mit Abstand häufigsten Delikte gegen Bahnmitarbeiter waren im Jahr 2025 Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung.“

Gerade bei diesen Delikten ist der Trend besorgniserregend: „Die Zahl der Mitarbeiter von Eisenbahnunternehmen, die Opfer von Gewaltdelikten auf Bahnanlagen wurden, ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent und im Vergleich zu 2019 um 62 Prozent gestiegen“, sagt Borowik.

Bahn und Bundespolizei reagierten auf die zunehmende Gewalt am Gleis – etwa mit Schwerpunktaktionen, unter anderem auch am Münchner Hauptbahnhof. Die letzte fand Mitte November statt, Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) schaute extra in München vorbei. Grund für die Großkontrollen war die „anhaltend hohe Anzahl von Gewaltdelikten“ an deutschen „gewaltbelasteten“ Bahnhöfen, so die Bundespolizei. Es gab mehr Streifen als sonst. Schuss-, Schreckschuss-, Hieb-, Stoß- und Stichwaffen, Pyrotechnik und Messer aller Art wurden verboten. Ein Lichtblick: Laut Bundespolizei sank die Zahl der Gewalttaten am Münchner Hauptbahnhof durch solche Kontrollen um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – bei der Gewaltkriminalität waren es 13 Prozent.

Die Eisenbahner-Gewerkschaft EVG fordert Ergebnisse beim Sicherheitsgipfel der Bahn heute in Berlin. „Wir akzeptieren nicht, dass sich Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in Lebensgefahr begeben, sobald sie ihre Schicht antreten“, hieß es am Donnerstag aus der Gewerkschaft. Die EVG fordert unter anderem eine Doppelbesetzung von Zugbegleitern (siehe Text oben). Andere hätten lieber mehr Polizei. Peter Runge von der Hessischen Landesbahn (HLB) etwa. Zugbegleiter dürften selbst keine unmittelbare Gewalt anwenden, sagte er. „Das Geld sollte besser in die Polizei investiert werden. Mehr Polizeipräsenz wäre mit Sicherheit hilfreicher.“ THOMAS GAUTIER

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