Selenskyjs düstere Rede vor der Welt

von Redaktion

„Putin ist ein Sklave des Krieges“: Der ukrainische Präsident erbittet in München mehr und schnellere Hilfe

Wolodymyr Selenskyj und sein packender Auftritt bei der Sicherheitskonferenz. © Nietfeld/dpa

München – Rote Linien ziehen über den Bildschirm, die am Ziel explodieren: Was wie ein Computerspiel aussieht, ist die traurige Bilanz einer Nacht, wie sie die Ukraine täglich durchleidet: „24 ballistische Raketen, 219 Drohnen: Das ist nur ein russischer Angriff in einer Nacht“, sagt Wolodymyr Selenskyj, hinter dem auf der Siko-Bühne die Aufzeichnung der ukrainischen Luftabwehr läuft.

Seit vier Jahren erlebe sein Land nun diese Angriffe, und die russischen Waffen würden sich schneller entwickeln, als die Politik der Europäer und anderer westlicher Verbündeter handele. „Die Schahed-Drohnen haben jetzt Jet-Antrieb, sie können mit Hilfe des Satellitensystems Starlink an ihr Ziel gesteuert werden“, so der ukrainische Präsident, der einmal mehr eindringlich die im Bayerischen Hof versammelten Staats- und Regierungschefs zu weiterer, vor allem auch schnellerer Hilfe mahnt.

Von Putins Kompromissbereitschaft bei den von den USA initiierten Verhandlungen hält Selenskyj nicht viel: „Können Sie sich Putin ohne Krieg vorstellen? Er ist ein Sklave des Krieges.“ Putin denke über Zar Peter oder Katharina die Große nach, aber nicht über das normale Leben. Bislang habe Russland, anders als die Ukraine, keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt.

Auch unter den republikanischen Kongressabgeordneten, die nach München gekommen sind, scheint deshalb die Bereitschaft zu wachsen, die Ukraine wieder mehr zu unterstützen und Putin stärker unter Druck zu setzen. Der republikanische Senator Roger F. Wicker, der mit US-Ukraine-Anstecker am Revers auf die Siko-Bühne kommt, sagt, in zwei Wochen werde der Senat über Sanktionen abstimmen, die dafür sorgen würden, dass Russland das Öl ausgehe. Ein anderer republikanischer Abgeordneter erklärt, dass bis zu 80 Prozent der Republikaner für mehr Härte gegenüber Putin seien.

Aber ungewiss bleibt, wie das ihr Chef Trump sieht. Und deshalb machen US-Demokraten wie Hillary Clinton auf der Siko Druck, dass auch die EU Russlands Öl-Geschäfte nicht nur auf dem Papier durchkreuzen müsse: „Folgen Sie dem Geld“, so die Ex-Außenministerin. Falls Trump wirklich die Ukraine an Russland verkaufen wolle, müsse die EU auch bereit sein, über das Überweisungs-System Swift diese Geldflüsse zu stoppen. Und wie Selenskyj fordert Clinton, die rund 1000 Öltanker der russischen Schattenflotte, die immer noch frei in den Weltmeeren kreuzen, zu stoppen und das Öl zu beschlagnahmen.

Julija Nawalnaja, die Witwe des vor genau zwei Jahren zu Beginn der Siko in russischer Haft vergifteten Putin-Hauptfeindes Alexej Nawalny, drängt ebenfalls auf „überraschende, schnellere Entscheidungen“ der EU im Kampf gegen Putin. Denn der russische Präsident reagiere nur auf Härte, jede Zögerlichkeit ermutige ihn: „Die EU versteht nicht, dass sie viel stärker als Putins Russland ist“, zeigt sich Nawalnaja überzeugt.KLAUS RIMPEL

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