Anschlag gegen Stromversorgung: Druck auf Polizei

von Redaktion

Berlin – Die Höhe der Belohnung ist einmalig, die Fahnder vom Bundeskriminalamt (BKA) sprechen zur Begründung vom Verdacht auf Terrorismus. Eine Million Euro verspricht die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe für Hinweise, die zu den Tätern des vermutlich linksextremen Brandanschlags mit dem folgenden Stromausfall vor sechs Wochen in Berlin führen.

Der Fahndungsaufruf ist in Berlin und Brandenburg seit zwei Wochen auf elektronischen Tafeln zu sehen. Rot unterlegt heißt es dort: „Befristet bis zum 24. Februar.“ Zur Begründung für diese Frist verwies das Bundesinnenministerium auf Nachfrage auf „polizeitaktische Gründe“.

Die ungewöhnlich hohe Belohnung zeigt, dass Polizei und Politik bei dem Thema unter Druck stehen. Die Million Euro ist ein Versuch, die Verschwiegenheit der linksradikalen Szene zu knacken und einen Hinweisgeber zu finden. Immerhin waren mehr als 100000 Menschen mitten im Winter tagelang ohne Strom, nachdem am 3. Januar Starkstromkabel, die von einem Kraftwerk über einen Kanal liefen, angezündet wurden.

Der Druck auf das Berliner Landeskriminalamt (LKA) ist auch deswegen hoch, weil der Anschlag vom 3. Januar ja keineswegs der erste dieser Art war. „Die Vulkangruppen haben sich seit 2011 in mindestens 18 Fällen zu Anschlägen bekannt“, sagte Berlins Innen-Staatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) kürzlich. „Darunter mehrere Brandanschläge auf das Berliner S-Bahnnetz und auf Stromleitungen.“ Zusätzlich habe die Kampagne „Switch off“ mehr als 50 weitere Anschläge in Berlin aufgelistet, von Farbattacken bis zu schweren Brandstiftungen.

Aufsehen erregten besonders die Anschläge auf die Stromversorgung der Teslafabrik im März 2024 und auf die Hochspannungskabel zum Technologiepark Adlershof im September 2025. Berlin sei zwar ein Schwerpunkt „linksextremistischer Betätigung“, so Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer. Das Phänomen des „militanten Linksextremismus“ sei aber nicht auf die Hauptstadt beschränkt, Anschläge habe es auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern gegeben.

Warum bleiben trotz so vieler Anschläge in 15 Jahren die Festnahmen aus, obwohl Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nach dem Anschlag im Herbst großspurig verkündete: „Wir kriegen sie!“ Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) versprach kurz nach dem 3. Januar: „Wir werden sie kriegen.“ Aber er sagte auch: „Wir haben es hier mit Profis zu tun.“ Verfassungsschutz-Chef Fischer erklärt: „Wir reden hier von Gruppen, die ein hohes Maß an Professionalität und ein hohes Maß an klandestinem Verhalten an den Tag legen.“ Klandestin bedeutet hier konspiratives und heimlich. Täter seien Öko-Anarchisten, „die sich besonders schützen gegen staatliche Ermittlungen, die besonders im Voraus planen“.

Auch erschwerten Brandanschläge statt früherer Sprengstoffanschläge die Ermittlungen. „Feuer hinterlässt nur selten Spuren. Wenn das mit hohen Temperaturen zu tun hat, sind die Spuren schnell weggebrannt“, sagte Fischer. „Das ist für die Tatortarbeit der Polizei besonders schwierig.“ Im aktuellen Fall soll die Polizei Fußspuren im Schnee gesichert haben. Ob die weiterhelfen, ist eine andere Frage.A. RABENSTEIN

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