Berlin – Von allen Landesregierungen ist die schwarz-rote Koalition in Berlin am unbeliebtesten. Nur 24 Prozent der Hauptstadt-Wähler sind laut dem BerlinTrend von infratest dimap mit der Arbeit der Regierung von Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zufrieden. Bei CDU und SPD schrillen die Alarmglocken: Am 20. September wird das Abgeordnetenhaus neu gewählt und Schwarz-Rot hat der aktuellen Umfrage zufolge keine Mehrheit. Der Kampf um das Rote Rathaus hat begonnen – doch die Zustände innerhalb der Parteien sind teils chaotisch.
Besonders in der Berliner SPD. Die Vorsitzenden Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini traten im November 2025 – sechs Monate vor dem offiziellen Ende ihrer Amtszeit – zurück. Es tobt ein innerparteilicher Flügelkampf: Pragmatiker Hikel geht als Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln gezielt gegen kriminelle Großfamilien vor, der linke Parteiflügel unterstellt ihm deshalb antimuslimischen Rassismus. Bei seiner erneuten Nominierung zum Neuköllner Bürgermeister wählten ihn nur 68 Prozent der Delegierten. Hikel lehnte ab. Böcker-Giannini, wie ihr Co-Vorsitzender eher in der politischen Mitte verortet, bekam für die Abgeordnetenhaus-Wahl keinen Listenplatz – eine Demütigung. Wegen mangelnden Rückhalts warfen beide hin.
Die Lager versöhnen soll nun Steffen Krach als SPD-Spitzenkandidat. Noch scheinen die Wähler jedoch nicht überzeugt: In Umfragen rangiert die SPD mit 14 Prozent hinter CDU, Linken, AfD und Grünen. Immerhin gibt es einen prominenten Neuzugang: Der Grünen-Abgeordnete Turgut Altug ist von den Grünen zur SPD gewechselt, weil seine Ex-Partei, die derzeit in Umfragen auf 16 Prozent kommt, ökologische Kernthemen vernachlässige und die Fraktionsführung „autoritär“ sei.
■ CDU im Umfragetief
Wegners CDU ist zwar noch stärkste Kraft in Berlin, verliert jedoch nach dem Stromausfall im Südwesten der Stadt und dem Winter-Chaos an Zustimmung: Mit 22 Prozent kommt sie auf einen Prozentpunkt weniger als im Dezember und mehr als sechs weniger als bei der Wahl im Februar 2023. Um in der nächsten Legislaturperiode weiter zu regieren, müsste die CDU derzeit ein Dreierbündnis mit SPD und Grünen eingehen.
Erst Manhattan, dann Berlin! Nach dem Sieg Zohran Mamdanis bei der New Yorker Bürgermeisterwahl fühlt sich die Berliner Linkspartei um Spitzenkandidatin Elif Eralp beflügelt. 18 Prozent in Umfragen sind Platz zwei hinter der CDU – die eine Koalition mit den Linken jedoch ausschließt. Mit der AfD will sowieso keiner. Mit Umfragewerten von 17 Prozent hat sie also keine Aussicht auf Regierungsbeteiligung. S. BELLIVEAU