„Prosecco-Pygmäen“ und Sozi-Tanten: Markus Söder in voller Fahrt. © Hoermann/SVEN SIMON
Passau – Eigentlich wollte er „über die Grünen fast nichts sagen“, verkündet Markus Söder. Also eigentlich. Doch da sei dieses „Söder-Trauma“, das er bei ihnen spüre. Hörten sie seinen Namen, „fangen sie an zu kreischen, zu weinen, zu zittern“. Als „Hundesohn“ hätten sie ihn bezeichnet. „Ich mag Hunde“, winkt der CSU-Chef noch ab. „Aber liebe Freunde: Hurensohn?“, greift er den jüngsten Ausfall von Grüne-Jugend-Chef Luis Bobga auf. „Der soll endlich mal was Ordentliches arbeiten!“, ruft Söder in die Passauer Dreiländerhalle. Gejohle. „Es bleibt dabei, wir wollen keine Grünen in der Staatsregierung.“ Und jedes Mal wenn ihm Zweifel kämen, „höre ich mir im Landtag eine Rede von Frau Schulze an“. So ganz lassen kann er es also doch nicht.
Es ist Söders achter Auftritt als Hauptredner beim Aschermittwoch. Leichtfüßig schreitet der Ministerpräsident die Stufen zur Bühne hinauf. Die Hüft-OP scheint gut überstanden. Und man darf behaupten, dass ihm das Format liegt. Anders als sein Vorgänger Horst Seehofer, der seine Akzente gern in ruhigerem Ton setzte, fühlt sich Söder auf der Bühne sichtlich wohl.
Doch dürfte das Schreiben der Rede für den CSU-Chef kniffliger gewesen sein als in den Vorjahren. Mit den Grünen ist der Lieblingsgegner zwischenzeitlich so weit gesunken, dass sich am Abwatschen der Ökos alleine kein volles Programm mehr aufziehen lässt. Das merkt man. Söder setzt insgesamt etwas weniger konkrete Attacken als bei früheren Auftritten, betont stärker die grundsätzliche Versicherung gegen die anderen, die Woken und Linken. Die „pseudointellektuellen Prosecco-Pygmäen“ oder die „sozialistische TikTok-Tante“ Heidi Reichinnek.
Er fordert erneut eine Rückkehr zur Wehrpflicht, und schließt eine Aufweichung der Schuldenbremse genauso aus wie höhere Spritpreise. Und er wagt sich weit aufs internationale Parkett – eigentlich kein klassisches Aschermittwochs-Material. Es gebe manche, „die aus der Beziehungskrise“ mit den USA „eine Scheidung machen wollen“. Doch wer nun über die Zölle jammere, sei erinnert, dass es einmal die Chance auf ein Abkommen mit den USA (TTIP ist gemeint) gegeben habe, die vertan worden sei. Das „waren sowohl die Linken als auch mancher kleine Geist aus Bayern“, sagt Söder. Es brauche aber ein Europa des Wachstums und der Freiheit. „Dieses Europa lieben wir und für dieses Europa kämpfen wir“, bekennt sich Söder, der zuletzt scharfe Kritik an Brüssel geäußert hatte.
Ernst wird der Ton zunächst, als es um die AfD geht. Deren Rechtsaußen Björn Höcke unterstellt Söder ein „ekliges“ Menschenbild. „Ich habe vier Kinder – ich hätte ein Kind mit einer Einschränkung genauso geliebt“, schlägt der CSU-Chef dabei für Aschermittwoch-Verhältnisse fast nachdenkliche Töne an.
Doch auch was die Spitznamen-Kreativität angeht, ist der AfD-Teil fast Söders stärkster Part in dieser Rede. Den Landtagsabgeordneten Daniel Halemba nennt er „braunes Zigarettenbürscherl aus Oberfranken“ und AfD-Chefin Alice Weidel den „blonden Kühlschrank aus der Schweiz“. „Warum will sie nicht in Deutschland leben?“, fragt Söder in die Halle „Was hat sie gegen Deutschland? Sind wir nicht fein genug?“ Dass Weidel Verfassungsschutzbeamte als „Stasi-Spitzel“ verunglimpfe, zeige, was die AfD über die Polizei denke: „Pfui, pfui, pfui“.
Was auch auffällt: Die Koalitionspartner in Bayern und Berlin bekommen wenig ab. Einmal stellt der Ministerpräsident augenzwinkernd seine körperliche Überlegenheit zu seinem Stellvertreter und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger heraus. Der SPD wünscht er „viel Glück mit der Fünf-Prozent-Hürde“. Das war‘s schon fast.
Die rund 4000 Zuhörer, die die volle Halle fasst, sind zufrieden. Minutenlang Applaus. „Oh, wie ist das schön!“, singt das Publikum am Ende. „Ich fand‘s gut“, sagt auch Franz Maier. „Vor allem der Teil über die Grünen“ hat dem 77-Jährigen aus Oberpöring im Landkreis Deggendorf gefallen. Michael Greinwald sieht den Hauptgegner der CSU hingegen woanders. „Die AfD hat sich uns als krasses Feindbild ausgesucht“, sagt der 31-Jährige aus dem Landkreis Landsberg. Er hätte sich deshalb gewünscht, dass die Attacken auf die AfD stärker im Mittelpunkt stehen.