Fellbach – Der politische Aschermittwoch bietet seit Jahrzehnten traditionell die Bühne, um auf den politischen Gegner draufzuhauen. In der Hochphase eines Landtagswahlkampfs gehören gegenseitige Attacken ebenfalls dazu. Und wenn beides zusammenfällt? Keine 20 Tage vor der Landtagswahl in Baden Württemberg galt das Augenmerk diesmal den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU – denn nur sie haben reale Chancen auf den Job des Ministerpräsidenten. Spielbericht eines Fernduells:
CDU: Es geht laut und zünftig zu in der Alten Kelter in Fellbach, Hunderte Gäste tanken Kraft für den Wahlkampfendspurt – und Bier wird natürlich auch getankt. Spitzenkandidat Manuel Hagel redet erst mal über Blasmusik. Die mache das Land besser. Der 37-Jährige hält eine Rede, wie man sie schon häufig von ihm gehört hat. Er redet über Wohlstand, der erwirtschaftet werden muss, bevor er verteilt wird, über den Wert von Arbeit, über die Krise der Autoindustrie, über die Bedeutung beruflicher Bildung. Und er kritisiert den Finanzausgleich, indem er das Geber-Geld aus Baden-Württemberg in Biermaß umrechnet.
Die AfD attackiert Hagel scharf, macht sie als Hauptgegner aus. Auf seinen grünen Gegner geht er nur am Rande ein, besonders bei der Autopolitik. Er wirft den Grünen Ideologie vor, kritisiert das Verbrennerverbot. Der grüne Kulturkampf gegen das Auto müsse enden. Dass die Grünen in Berlin den Verbrenner bis 2035 verbannen wollen, sei keine Verkehrspolitik, sondern „Sabotage des Automobilstandorts“.
Der Name Cem Özdemir fällt nicht. Im Blick hat Hagel seinen grünen Kontrahenten aber sicher, als er sagt, es sei schwierig, wenn ein Spitzenkandidat das eine tue, die eigene Mannschaft aber komplett in die andere Richtung rudere. „Das ist nicht ehrlich, liebe Freundinnen und Freunde.“
Grüne: Bier gibt es bei den Grünen in Biberach traditionell eher wenig und zumeist alkoholfrei, Blasmusik gar keine. Auf der Bühne greifen die Redner im Wahlkampfjahr aber rhetorisch mehr zu als sonst. Den Ton setzt Grünen-Urgestein Joschka Fischer, der kräftig über Hagel herzieht.
Er habe gelesen, dass Hagel meine, das Erbe Kretschmanns sei bei ihm in guten Händen, sagt Fischer. „So was nennt man Erbschleicherei.“ Wenn Hagel schon ein Erbe haben wolle, dann solle er sich an Stefan Mappus halten. „Aber Hände weg von Kretschmann!“, ruft er und erinnert damit an den glücklosen CDU-Mann Mappus, der 2011 nach wenigen Monaten im Amt abgewählt wurde und für Winfried Kretschmann Platz machen musste. „Das Erbe Kretschmanns gehört den Baden-Württembergern, aber es gehört auch uns Grünen“, sagt Fischer.
Auch Özdemir nimmt Hagel ins Visier. Ein „Hin und Her“ in wichtigen politischen Fragen hat der Spitzenkandidat bei seinem CDU-Kontrahenten ausgemacht, nur wenige im Land verstünden, was die CDU eigentlich wolle. Als Beispiel führt er Hagels Forderung nach der Abschaffung zweiter Verwaltungsebenen an. Nie habe Hagel erklärt, welche er genau meine und im Wahlprogramm finde man die Forderung auch nicht. „Ankündigungen – und wenn’s konkret wird, wird’s dünn“, sagte Özdemir. DPA