INTERVIEW

„Je näher an den Bergen, desto mehr wird gejodelt”

von Redaktion

In Bayern ist Jodeln nicht überall populär – und anders als in der Schweiz fehlt es an Strukturen

In den Bergregionen wird auch mal gejodelt. © imago

Dagmar Held vom Landesverein für Heimatpflege. © Drexel

München – Gejodelt wird nicht nur in der Schweiz und in Österreich, sondern auch in Bayern. Wo die Unterschiede liegen, erklärt Dagmar Held. Sie ist Referentin beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.

Frau Held: Wo jodeln die Bayern?

Je näher an den Bergen, desto mehr wird gejodelt. Im Chiemgau oder in Garmisch-Partenkirchen gibt es viele Jodler. Auch im Bayerischen Wald in Niederbayern wird viel gejodelt, dort singt man sogenannte Arien. Die meisten Jodler gibt es aber im Allgäu.

Warum gerade dort?

Das Jodeln im Allgäu ist stark von den Schweizern inspiriert. Es gibt im Allgäu viele Ortschaften, in denen gejodelt wird. Teils singen 20 bis 30 Menschen in einem Chor. Und es gibt dort seit 75 Jahren einen Jodlertag. Das Jodeln ist dort gut strukturiert.

Und im Rest von Bayern?

Es wird nicht in allen Regionen gejodelt. Aber wenn, dann ist es eher lose organisiert. Es gibt in München eine große Jodelszene und es gibt sogar Chöre in Berlin. Das ist ein ganz großer Hype. In Bayern gibt es viele Gelegenheitssänger, die nicht auf der Bühne stehen. Es gibt eine breite Masse, die zum Vergnügen jodelt, ohne im Radio oder Fernsehen aufzutreten.

Wie viele Jodlerinnen und Jodler gibt es bei uns?

Das kann man nicht genau sagen.

Wo kann man das Jodeln in Bayern erleben?

In den Bergregionen gibt es regelmäßig Heimatabende, wo man Jodler hören kann. Doch es ist viel schöner, wenn man selbst jodelt.

Was ist das Besondere?

Es ist unglaublich befreiend, Jodeln hat eine große Kraft. Man braucht sich keinen Text merken, es sind einfache Strukturen und man hat schon nach wenigen Takten verstanden, wie es geht. Man braucht höchstens ein wenig musikalische Erfahrung.

Warum hat sich das Jodeln in der Schweiz so entwickelt – und in Bayern nicht?

Das liegt daran, dass es in der Schweiz gut organisierte Strukturen gibt. Bereits 1910 wurde der Eidgenössische Jodlerverband gegründet, der ein klares Reglement vorgibt und Wettbewerbe und Fortbildungen organisiert. Vergleichbar ist das mit den Blasmusikverbänden in Bayern.

Das Jodeln in der Schweiz wurde Anfang Dezember zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt. Warum nicht in Bayern?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, das Jodeln in der Schweiz ist sehr besonders in seiner vielfältigen Ausprägung in den verschiedenen Kantonen und fest in der Tradition verankert. Das ist bei uns in Bayern anders.

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