Los geht‘s! Fahrlehrer Anton Hubalek (li.) und Klaus Gethöffer beim Fahr-Fitness-Check in Ottobrunn. Nach dem Ende der Tour bekommt der 81-Jährige eine ADAC-Urkunde (kleines Bild). © Michaela Hartmann
Ottobrunn – Normalerweise hat es Anton Hubalek mit Anfängern zu tun. Gut 40 Leute, so um die 18 Jahre alt, sind mit ihm pro Monat auf den Straßen im Münchner Südosten unterwegs. Sie machen ihren Führerschein. Klaus Gethöffer hat den bereits seit Jahrzehnten. Aber der 81-Jährige ist trotzdem da. Zum Check, ob er noch fahrtauglich ist. Damit seine Tochter beruhigt sein kann, wenn er mit seinem silbernen Mercedes C 180, Baujahr 1995, unterwegs ist. 2500 Kilometer fährt er noch im Schnitt pro Jahr, „zum Einkaufen, zum Arzt, aber auch mal weiter weg“.
Anton Hubalek bietet in Ottobrunn seit 15 Jahren den ADAC Fahr-Fitness-Check für Senioren an (www.fahrschule-hubalek.com). „Das ist eine gute freiwillige Möglichkeit zur Einschätzung der eigenen Fahrqualitäten“, sagt der Fahrlehrer. Und so kommen auch regelmäßig etwas betagtere Menschen zu ihm. Bis zu 50 Minuten dauert der Test, bei einer ADAC-Mitgliedschaft kostet er 75 Euro, ohne sind es 95 Euro.
Statistisch gesehen sind Senioren eher gefährdet, als dass sie selbst eine Gefahr im Straßenverkehr darstellen. 2024 haben Menschen ab 65 Jahren 19,3 Prozent der Unfälle mit Personenschaden verschuldet. Also weniger, als ihrem Bevölkerungsanteil von 23 Prozent entsprechen würde, so das Statistische Bundesamt.
Das Auto sei gerade für die Babyboomer, die Jahrgänge von 1946 bis 1964, im Alltag wichtig, erklärt Professor Jens Benninghoff, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin und Entwicklungsstörungen am kbo-Klinikum in Haar. „Unabhängigkeit und ein selbstbestimmtes Leben sind in unserer Gesellschaft auch mit Mobilität verbunden. Deswegen spielt das Auto im Alter eine große Rolle, wenn Unabhängigkeit und Autonomie durch körperlichen und geistigen Abbau vermehrt infrage gestellt werden“, sagt er. „Autofahren wird quasi das äußere Symbol der Freiheit.“
Das freilich bringt ganz automatisch Konflikte mit sich. Denn beim Autofahren ist es wichtig, körperlich und geistig auf der Höhe zu sein. Es herrsche oft großes Unverständnis auf beiden Seiten in den Familien, sagt Benninghoff. „Während die Kinder ihre Eltern vor den Konsequenzen von Unfällen schützen wollen, sehen die Senioren sich in ihrer Bewegungsfreiheit bedroht.“ Noch komplizierter werde die Situation bei Menschen mit Demenz, „wenn zu dem allgemeinen Freiheitsdrang noch mangelnde Krankheitseinsicht dazukommt“.
Schon jetzt leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, so die Alzheimer Forschung Initiative (AFI), Tendenz steigend. „In einem frühen Krankheitsstadium muss eine Demenz noch nicht dazu führen, dass Erkrankte nicht mehr Auto fahren können“, heißt es bei der AFI. Deshalb hat der gemeinnützige Verein eine neue Broschüre erstellt mit dem Thema „Sicher Auto fahren im Alter“. Darin enthalten: ein Selbsttest für Senioren und ein Test für Angehörige, um die Fahrtauglichkeit einzuschätzen (siehe Kasten).
Wie sicher Senioren noch hinterm Steuer sind, kann auch Fahrlehrer Anton Hubalek mit seinem Fahr-Fitness-Check überprüfen. Mit Klaus Gethöffer kurvt er Richtung Neuperlach. Der 81-Jährige hat das Lenkrad im Griff. Hinterher erhält er eine Urkunde – und ein großes Lob von Hubalek: „Er hat seine Sache richtig gut gemacht!“
Für alle, die am Ende feststellen, besser selbst nicht mehr Auto zu fahren, wünscht sich Altersexperte Benninghoff: „Es sollte genügend Seniorentaxis der Gemeinden geben, wie in Haar, die Fahrten zum Arzt oder zu den Behörden übernehmen. Ideal wären auch Touren am Abend ins Konzert oder Theater.“ Damit könne man zeigen, „dass die Abgabe des Führerscheins nicht automatisch das Ende der Freiheit bedeutet, sondern nur etwas mehr Planung benötigt“.
Das kostenlose Heft
„Sicher Auto fahren im Alter“ kann bei der Alzheimer Forschung Initiative bestellt werden. Unter Telefon 0211/86 20 66-0 oder online unter www.alzheimer-forschung.de.