Umstrittene Idee: „Lappen weg“ für ewige Raser

von Redaktion

In Ludwigsburg starben zwei Frauen wegen eines illegalen Autorennens. © dpa

Ludwigsburg/Stuttgart – Zwei unbeteiligte junge Frauen sterben in Ludwigsburg bei einem illegalen Autorennen, das zwei Brüder mit umfangreichem Strafregister verursachen. In Heilbronn rast der sogenannte Wollhausraser mit 100 Kilometern in der Stunde in das Auto eines Familienvaters, der in den Trümmern umkommt. Trotz Verboten und Strafen nehmen solche illegalen Rennen zu – oft mit tödlichen Folgen.

Aus Sicht des baden-württembergischen Innenministers Thomas Strobl reicht der Strafkatalog für notorische Temposünder wie in Heilbronn und Ludwigsburg nicht aus. Der Gesetzgeber müsse prüfen, ob besonders unbelehrbare Raser ihre Führerscheine auf Lebenszeit verlieren könnten, fordert der CDU-Politiker. „Meine Forderung ist hier sehr klar: lebenslänglich für lebensgefährlich“, sagte Strobl in Stuttgart. Wer wiederholt und uneinsichtig herumrase und sich Rennen liefere, dem müsse die Fahrerlaubnis lebenslänglich entzogen werden. Er setze dabei auch auf den Bund als Gesetzgeber, sagte Strobl.

Auch Verkehrsminister Winfried Hermann fordert härtere Strafen, er hält sich aber in der Formulierung stärker zurück als Strobl: „Die sollten die rote Karte bekommen, bevor etwas passiert, und zwar für längere Zeit“, sagte er. Es sei wichtig, so den Druck auf „diese Klientel“ zu erhöhen. Es dürfe zudem nicht verharmlosend von einem tragischen Fall gesprochen werden. „Da gibt es Verursacher und Verantwortliche“, sagte Hermann.

Der Grünen-Politiker forderte zudem, Halter von Fahrzeugen stärker in die Haftung zu nehmen. „Verkehrsrowdys können, wenn sie überhaupt erwischt werden, sich heute zu oft damit herausreden, sie wüssten nicht, wer ihr Auto gefahren sei.“

In Stuttgart stehen zwei Brüder wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht, weil sie in Ludwigsburg bei einem illegalen Autorennen einen Unfall mit zwei Toten verursacht haben sollen. Nach Aktenlage hatten sie seit ihrer Jugend dutzendfach Regeln im Straßenverkehr ignoriert und waren damit immer wieder durchgekommen. Zwar hatte das zuständige Landratsamt den beiden mehrmals den Führerschein abgenommen. Sie erhielten ihn im Laufe der Jahre aber wiederholt zurück, weil sie ein psychologisch-medizinisches Gutachten vorlegen konnten. Den beiden Türken wurde unter anderem Fahren ohne Fahrerlaubnis, Tankbetrug und Unfallflucht sowie wiederholte massive Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen.

Die sogenannte Fahrerlaubnisakte des älteren Bruders umfasst 113, die des jüngeren 67 Einträge. Der 32-Jährige hatte seinen Führerschein nach einer langen Sperre erst zwei Monate vor dem fatalen Autorennen zurückerhalten. DPA

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