Franz Xaver Schwarz in Uniform der NSDAP. © ullstein bild./Getty Images
Robert Ley bei seiner Verhaftung durch Soldaten der 101. US-Luftlande-Division. Pa
Grünwald – Erst relativ spät, im Jahr 1930, gründeten die Nationalsozialisten in Grünwald eine Ortsgruppe, wobei auch ein Kameramann, Alfons Brümmer, mitmischte. Die NSDAP-Wahlergebnisse waren in Grünwald überdurchschnittlich – 254 von 725 gültigen Stimmen bei der Reichstagswahl im September 1930 entfielen auf die Hitler-Partei. In der NS-Zeit siedelten sich in Grünwald eine Vielzahl von Nazi-Größen an, teils hatten sie in einer der Villen auch nur ihren zweiten Wohnsitz: So zum Beispiel der Chef der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley (wegen seines Alkoholmissbrauchs auch „Reichstrunkenbold“ genannt), sein Stellvertreter Hermann Simon sowie der NSDAP-„Reichsschatzmeister“ Franz Xaver Schwarz – den still agierenden, undurchsichtigen Promi mit repräsentativer Villa und einem „Tross von Bediensteten“. Ihn bezeichnet Historikerin Meinl als heimlichen Herrscher im Ort, weil er sich auch in die lokale Politik einmischte.
Meinl weist nach, dass in Grünwald auch weitere, teils öffentlich nicht so bekannte hohe Nationalsozialisten wohnten, etwa der oberste SS-Richter Paul Scharfe, der Verfehlungen innerhalb der SS (etwa Korruption) zu ahnden hatte; ferner der General der Waffen-SS Sepp Dietrich und der NS-„Reichsstatthalter“ von Bayern, Franz Ritter von Epp. So ist es auch kein Wunder, dass Hitler mehrmals in Grünwald zu Gast war, weil er seine Gefolgsleute besuchte – Susanne Meinl kann drei Aufenthalte defintiv nachweisen, wahrscheinlich waren es aber mehr.DIRK WALTER