Das Regime kämpft ums Überleben

von Redaktion

Die Bild-Kombo des israelischen Militärs zeigt einen Angriff auf ein Hauptquartier des Regimes in Teheran. © Handout/AFP

Zeitenwende im Iran? Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei (oben) ist tot. Die Übergangsführung besteht aus Justizchef Gholammhossein Mohseni Edschei (Fotos rechts), Ayatolla Aliresa Arafi und Präsident Massud Peseschkian (von li.). Ganz links im Bild Schah-Sohn Reza Pahlavi. © dpa/AFP/Wikipedia

Teheran/München – Die Bestätigung kam am Sonntag, um 5 Uhr morgens Ortszeit. Mit brüchiger Stimme verkündete ein Moderator im iranischen Staatsfernsehen den Tod des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei. US-Präsident Donald Trump hatte den Tod schon früher in seinem Onlinedienst Truth Social bejubelt – und nannte den 86-jährigen Chamenei einen „der bösesten Menschen in der Geschichte“.

Mehr als drei Jahrzehnte lenkte Chamenei die Geschicke der Islamischen Republik. An die Macht gekommen war er 1989 nach dem Tod von Republikgründer Ayatollah Khomeini. Chamenei hat viele Krisen überstanden. Den Studentenaufstand von 1999, Massenproteste 2009, niedergeschlagene Demonstrationen in den Jahren 2019 und 2022 nach dem Tod der Kurdin Mahsa Amini. Und im Januar ließ er erneute Proteste aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage im Iran brutal niederschlagen. Viele tausend Menschen kamen ums Leben, hunderten Inhaftierten droht die Todesstrafe.

Nun ist Chamenei tot, ebenso wie zahlreiche enge Vertraute. Wie die „New York Times“ berichtete, hatte der US-Auslandsgeheimdienst CIA erfahren, dass Chamenei am Samstagmorgen an einem ranghohen Treffen im Zentrum von Teheran teilnahm. Seit Monaten hatte die CIA Chameneis Gewohnheiten und Aufenthaltsort ausgekundschaftet. Aber dieses Treffen kam offenbar überraschend. Die USA und Israel, heißt es, hätten kurzfristig die Angriffspläne neu justiert. Um 9.40 Uhr machten Luft-Boden-Raketen den Gebäudekomplex dem Erdboden gleich. Chameinis Leiche soll geborgen worden sein. Auch Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad wurde offenbar bei einem Luftangriff in Teheran getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Ilna erklärte; seine Partei dementiert.

Das Regime versucht nun, das Führungsvakuum zu füllen. Am Sonntag wurde ein Übergangs-Führungsgremium berufen. Es besteht aus dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, Justizchef Gholammhossein Mohseni Edschei und Ayatolla Aliresa Arafi, Mitglied des Wächterrats und des Expertenrats. Gut möglich, dass diese drei die nächsten sind, die von den USA und Israel ins Visier genommen werden.

Irans Verfassung sieht vor, dass der aus 88 hochrangigen schiitischen Geistlichen bestehende Expertenrat so schnell wie möglich einen neuen Religionsführer bestimmt. Wer Chamenei nachfolgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich Chamenei dazu nicht geäußert. Immer wieder wurde sein Sohn Modschtaba genannt, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand.

Wie überlebensfähig das Regime noch ist, muss sich erst zeigen. Die systemtreuen Revolutionsgarden kündigten am Sonntag Vergeltung an. „Die heftigste Offensive in der Geschichte der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran“ werde „jeden Moment beginnen“, hieß es am Sonntag. Von der Achse des Widerstands kam bisher nur verbale Unterstützung. Die Hisbollah im Libanon und die Hamas sind selbst geschwächt, die Huthi im Jemen nicht stark genug.

Eine Hürde für den Sturz ist auch die Opposition selbst. Sie ist gespalten, hat keine Köpfe. US-Präsident Trump sprach von einer historischen Chance, das Regime zu beenden, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die Bevölkerung des Iran zum Sturz auf. „Das ist eure Zeit, eure Kräfte zu vereinen“, sagte er. Aber wann genau die Zeit ist und ob die Kraft der Regimegegner ausreicht, bleibt eine offene Frage.

Einziger Hoffnungsträger ist derzeit einer, der einst selbst nicht gelitten war im Iran: Reza Pahlavi, der Sohn des letzten iranischen Schahs. Der in den USA im Exil lebende 65-Jährige rief am Wochenende die iranischen Sicherheitskräfte auf, dem Regime die Unterstützung zu entziehen. Zu Chamenei sagte er: „Mit seinem Tod ist die Islamische Republik faktisch zu Ende gegangen und wird bald im Mülleimer der Geschichte landen.“ Die Zeit, auf die Straßen zu gehen, sei nahe. „Gemeinsam, vereint und standhaft werden wir den endgültigen Sieg erringen.“ Das Regime wird versuchen, das mit allen Mitteln zu verhindern.

Mit dem Angriff auf den Iran wächst auch die Gefahr terroristischer Anschläge. Großajatollah Nasser Makarem Schirasi, ein einflussreicher iranischer Geistlicher, rief Muslime weltweit zur Vergeltung auf. Schirasi erklärte in einer religiösen Stellungnahme (Fatwa) die USA und Israel zu Hauptzielen und sprach von Rache als religiöser Pflicht.MIT DPA, AFP

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