Teheran: Ein Mann steht neben einem zerstörten Gebäude. © AFP
Die US-Streitkräfte feuern eine Tomahawk-Rakete ab. Das Bild wurde vom US-Militär veröffentlicht. © AFP
München – US-Präsident Donald Trump geht von einem maximal vierwöchigen Militäreinsatz gegen den Iran aus. Doch werden Bombardements aus der Luft wirklich ausreichen, um das ausgegebene Ziel eines Regimewechsels im Iran zu erreichen? Droht ein Flächenbrand? Unsere Zeitung sprach darüber mit dem Direktor des Instituts für Risikoanalyse und Interntationale Sicherheit (IRIS), Nico Lange.
Was erwartet Trump von Deutschland: Nur Solidarität oder auch militärische Unterstützung?
Wir haben militärisch nichts, was wir beitragen können. Unsere wichtigste Aufgabe ist die Abwehr des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Insofern könnte Trump erwarten, dass Kanzler Friedrich Merz Führung übernimmt und dass Deutschland und die Europäer sich in Bezug auf die Abwehr Putins stärker engagieren, damit die Amerikaner sich dem Nahen Osten und perspektivisch dem Indopazifik widmen können. Da es im Iran ganz sicher keine makellose militärische Operation geben wird, wären Trump und Netanjahu wohl schon zufrieden, wenn die Bundesregierung nicht in wenigen Tagen wieder in anti-israelische und vielleicht auch anti-Trumpische Töne verfällt.
Es gab Attacken auf Bundeswehrstützpunkte in Jordanien, in Erbil. Zieht uns das in den Krieg?
Natürlich versucht der Iran, alle in den Krieg hineinzuziehen, in der Hoffnung, dass die Betroffenen dann Druck machen auf die Amerikaner, die Angriffe zu beenden. Diesen Gefallen sollte Merz den Revolutionsgarden nicht tun. Da die Europäer überhaupt keine Absicht haben, sich zu beteiligen, werden sie nicht aktiv auf solche Angriffe reagieren.
Der Außenminister hat den Angriff völkerrechtlich problematisch genannt. Wie wird Trump reagieren?
Der Kanzler hat gesagt, dass es nicht klug ist, solche Kritik anzubringen. Insofern dürfte das bei dem Treffen im Oval Office keine große Rolle spielen.
Trump hat gesagt, die Angriffe sollten maximal vier Wochen andauern. Ein strategischer Fehler?
Ich glaube nicht, dass man aus jeder Äußerung von Trump eine große Strategie herauslesen sollte. Militärisch ist doch entscheidend, ob es jetzt der israelisch-amerikanischen Allianz gelingt, die Kommando- und Kommunikationsstrukturen der Revolutionsgarden zu brechen. Wenn das nicht gelingt, werden iranische Gegenschläge die US-Truppen und Israel härter treffen. Natürlich werden die Revolutionsgarden versuchen, durch Zeitgewinn an der Macht zu bleiben. Sie setzen darauf: Je länger das dauert, desto mehr Probleme könnte es für Trump geben. Weil Trump weiß, dass dieser Angriff bei seiner Basis nicht populär ist, hat er möglicherweise diesen Anker von vier Wochen gesetzt.
Wird dieser Krieg das Trump-Lager spalten?
Das Maga-Lager hat ihn gewählt, damit er Amerikaner aus internationalen ewigen Kriegen zurückzieht. Trump bekommt ein Problem, wenn das jetzt nicht eine schnelle, makellose Militäraktion wird, so wie das beim Schlag gegen das Atomprogramm war oder in Venezuela, sondern wenn das jetzt ein längerer Krieg wird. Deshalb wird er Interesse daran haben, das schnell enden zu lassen. Nur: Das hat er nicht vollständig unter Kontrolle, auch Israel entscheidet selbstständig, was es macht. Das Ziel eines Enthauptungsschlages, der dann zu einer direkten Veränderung im Iran führt, das war vielleicht etwas zu hoch gesteckt für eine Militäroperation dieser Art.
US-Kriegsminister Hegseth hat erklärt, dies sei kein „Regimewechsel-Krieg“…
Die Kriegsziele sind nicht so klar definiert auf der US-Seite. Trump hat von Regimewechsel gesprochen, Hegseth sagt jetzt etwas anderes. Die Amerikaner halten sich die Möglichkeit offen, das Ziel umzudefinieren und zu sagen: So, jetzt haben wir erreicht, was wir wollten, jetzt ist Schluss. Das ist ein möglicher Ausweg aus dem Krieg. Klar ist aber, dass es für Trump schon ein Problem wäre, wenn er zwar Ayatollah Chamenei ausgeschaltet hat, aber die Revolutionsgarden an der Macht bleiben. Er wird schon daran gemessen, dass er den demonstrierenden Menschen gesagt hat: Hilfe kommt.
Aber kann das Regime allein durch Luftangriffe weggebombt werden?
Es gab militärhistorisch noch nie einen Regimewechsel allein durch Luftangriffe. So richtig man das finden mag, dass die Mullahs wegkommen: Einen Krieg mit unrealistischen Zielen anzufangen, das ist natürlich mit hohen Risiken verbunden. Wir Europäer sollten uns gleichzeitig hüten, jetzt kluge Bemerkungen vom Seitenrand zu geben. Wir können ehrlicherweise überhaupt keine militärischen Operationen führen. Und wir haben sogar noch sehr lange in die falsche Richtung Iran-Politik gemacht, indem wir am Atom-Abkommen festgehalten haben.
Inwiefern betrifft der Nahost-Krieg die Ukraine?
Die ehemals iranischen Drohnen werden mittlerweile in Alabuga in Tatarstan in Lizenz produziert. Russland braucht den Iran nicht mehr dafür. Ich glaube auch nicht, dass diese russisch-iranische Beziehung jetzt noch von besonderer Zuneigung geprägt ist, weil ja wie schon in Venezuela klar geworden ist: Russland hilft seinen Verbündeten nicht. Ob der Krieg Auswirkungen auf die Unterstützung der Ukraine hat, auf Waffenlieferungen, dafür ist es noch zu früh, das zu beurteilen. Aber wie die Ukraine leiden auch Israel und die USA jetzt an einem Mangel an bodengebundenen Lenkflugkörpern für die Luftverteidigung. Da scheint insgesamt eine Schwachstelle zu sein.