Viele Urlauber sitzen noch im Nahen Osten fest. © IMAGO
Erste Landung: Die Emirates-Maschine bei der Ankunft gestern in Frankfurt. © dpa
München – Wegen der Eskalation des Iran-Konflikts stecken derzeit rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Auch tausende Urlauber auf der indonesischen Insel Bali sind betroffen. Die Behörden stellten Ausnahmegenehmigungen für Urlauber aus, deren Visa ablaufen. Viele Staaten haben ihren Luftraum geschlossen. Reiseveranstalter planen Rückholflüge nach Deutschland.
Das erste Emirates-Flugzeug aus Dubai kam am Dienstagnachmittag in Frankfurt an. Am Abend landete eine Emirates-Sondermaschine aus Dubai mit rund 200 Tui-Gästen in München. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Golfregion und bereitet laut Außenminister Johann Wadephul die Rückholung besonders schutzbedürftiger Personen vor. Grundsätzlich seien jedoch Reiseveranstalter und Fluglinien in der Pflicht, hieß es.
Der Deutsche Reiseverband rät, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen, in den gebuchten Hotels zu bleiben, nicht eigenständig zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu reisen. Sobald die Lufträume wieder offen seien, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.
Trotz Krisen beobachtet der zweitgrößte deutsche Reiseveranstalter Dertour weiter eine große Reiselust. Auch der Deutsche Reiseverband berichtet von einer stabilen Urlaubsnachfrage auf hohem Niveau. Dennoch ist DRV-Präsident Albin Loidl besorgt: „Für unsere Branche hat die Sicherheit der Reisenden und unserer Partner vor Ort immer oberste Priorität.“ Passend zum gestiegenen Sicherheitsbedürfnis halte der Trend zum frühen Buchen an.
Die meisten klassischen Destinationen seien nicht betroffen, sagte Nina Hammer, Sprecherin bei Holiday Check. In den letzten Tagen gebe es eine erhöhte Nachfrage nach Italien oder Tunesien, gefolgt von Spanien und Griechenland. Die Türkei bleibe ein gefragtes Preis-Leistungs-Ziel. Hammer rät zu Pauschalreisen mit Flex-Option, damit Reisende schnell umbuchen oder stornieren können und im Problemfall vor Ort betreut werden. Die Rückreise wird vom Veranstalter organisiert. Bei einer Individualreise sei man auf sich allein gestellt. Veränderungen in den Suchen der Urlauber kenne man aus anderen Krisen. „Erfahrungsgemäß erholt sich das nach Entspannung der politischen Lage sehr schnell wieder.“ Trotzdem: In der Tourismusbranche herrsche „große Unsicherheit“, sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen.MARLENE KADACH