INTERVIEW

„Jetzt ist Pahlavi das Gesicht der Revolution“

von Redaktion

Der frühere FDP-General Djir-Sarai, gebürtiger Iraner, über Hoffnung und Sorge der Menschen im Iran

Bijan Djir-Sarai wurde 1976 im Iran geboren. © Albert/dpa

München – Bijan Djir-Sarai ist einer der besten Iran-Kenner in der deutschen Politik. 1976 wurde er in Teheran geboren. Elf Jahre später schickten ihn seine Eltern zu einem Onkel nach Deutschland. Später studierte er BWL in Köln, arbeitete in der IT und Verwaltung. Noch heute leben Familie und Freunde des 49-Jährigen im Iran. 2009 zog Djir-Sarai erstmals für die FDP in den Bundestag ein. Seine Partei machte ihn von 2022 bis 2024 zum Generalsekretär. Wir sprechen mit Djir-Sarai – verheiratet, zwei Kinder – über den Angriff Israels und der USA auf den Iran.

Sie wurden im Iran geboren. Leiden Sie mehr mit dem Iran als andere Politiker?

Natürlich habe ich eine besondere Verbindung zu diesem Land, weil ich im Iran nach wie vor Familie und Freunde habe. Der Iran ist Teil meiner Biografie. Denn wären die Mullahs nicht gewesen, hätte ich vermutlich das Land nie verlassen müssen.

Wie nehmen Ihre Freunde und Familie die Lage im Iran wahr?

Im Moment ist es schwer, mit Menschen aus dem Iran Kontakt aufzunehmen, weil das Internet gesperrt ist. Es gibt zwar Lücken für Telefonate, aber man darf nicht vergessen, dass der Geheimdienst mithört. Mein Eindruck ist: Es ist eine Mischung aus Angst und Hoffnung. Angst vor einem Krieg, Hoffnung auf einen Regimewechsel.

Halten Sie den Angriff auf den Iran für gerechtfertigt?

Aus der Sicht der Menschen im Iran ist er gerechtfertigt. Die Islamische Republik führt längst Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Die Iraner wollen ein Leben in Freiheit! Ohne die Unterstützung aus dem Ausland kann die Abschaffung der Islamischen Republik nicht erreicht werden – genau deshalb sieht die Mehrheit der Iraner den Angriff der USA und Israels wohlwollend. Zumal es sich um gezielte Schläge gegen Säulen des Systems handelt.

Welche politischen Reformen braucht der Iran dringend?

Ganz klar muss die Islamische Republik abgeschafft werden. Eine kleine Reform mit bestehenden Köpfen des Regimes reicht nicht. Ziel: Eine Demokratie nach westlichem Vorbild.

Sehen Sie eine Chance, dass sich oppositionelle Kräfte im Iran durchsetzen werden?

Nicht, solange die Islamische Republik existiert. Ich habe die große Hoffnung, dass dieses System auf dem Müllhaufen der Geschichte landet, aber noch ist es nicht so weit. Noch funktionieren die Institutionen der Islamischen Republik. Das System ist auf Ereignisse dieser Art, sogar den Tod des Revolutionsführers, vorbereitet.

Wie könnte sich die Islamische Republik zu einer Demokratie entwickeln? Mit Schah-Sohn Pahlavi?

In der jetzigen Situation ist Pahlavi das Gesicht der Revolution. Für die Menschen ist er ein Hoffnungsträger. Ihm muss der Übergang zur Demokratie gelingen, indem er relevante Personen und politische Strömungen zusammenbringt. In dem Moment, wo die Revolutionsgarden sich spalten oder zusammenbrechen, ist dieses System komplett erledigt.

Auch Kanzler Merz droht dem Regime, schließt militärische „Defensivmaßnahmen“ nicht aus. Übernimmt er sich da nicht?

Zunächst einmal ist es gut, dass die Bundesregierung unter Merz ihren Iran-Kurs korrigiert hat. Denn über Jahrzehnte hat man ja tendenziell auf Dialog mit der Islamischen Republik gesetzt und sich hinter dem Atomabkommen mit den USA versteckt. Das war ein großer Fehler. Aber: Die relevanten Entscheider sind die USA und Israel. Niemand erwartet in der Region irgendeinen Beitrag der Bundeswehr.

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