München – Kommunalwahlen haben traditionell fast nur Gewinner. Wenn sich die eine Partei über frisch gewonnene Oberbürgermeister freut, verweist die andere auf den Landrat, den man jetzt erstmals für sich verbuchen könne. Oder umgekehrt.
Viele Augen richten sich diesmal auf Oberbürgermeister. Beispiel München: Wer zwingt Dieter Reiter (SPD) in die Stichwahl – Ex-Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) oder doch Dominik Krause von den Grünen? Wird‘s in Nürnberg OB Marcus König (CSU) auf Anhieb schaffen – oder gibt es in der ehemaligen SPD-Hochburg mit Nasser Ahmed eine Renaissance der Sozialdemokratie? Er wäre der erste schwarze Bürgermeister einer Großstadt. In Augsburg wird allgemein mit einer Wiederwahl von Eva Weber (CSU) gerechnet. Und in Bayerns viertgrößter Stadt Regensburg könnte die ehemalige BR-Journalistin Astrid Freudenstein für die CSU triumphieren, nachdem Amtsinhaberin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) nicht mehr antritt.
Insgesamt wird in 22 der 25 kreisfreien großen Städte Bayerns am Sonntag der Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin gewählt. Nur in Würzburg, Memmingen und Ingolstadt wurde der OB außerturnusmäßig schon bestimmt. Vor allem dort, wo ein Amtsinhaber aufhört, ist ein politischer Richtungswechsel stets nicht ausgeschlossen. So tritt in Landshut der von der FDP zur CSU gewechselte OB Alexander Putz nicht mehr an. CSU-Kandidat Thomas Haslinger ist trotzdem favorisiert unter insgesamt zehn Kandidaten. In Rosenheim muss OB Andreas März (CSU) eventuell in die Stichwahl. In Bamberg könnte mit Melanie Huml eine ehemalige CSU-Ministerin den OB-Sessel erobern, nachdem Amtsinhaber Andreas Starke nicht mehr antritt. Auch in Passau ist das Rennen nach Verzicht von OB Jürgen Dupper (SPD) offen.
Überraschungen sind auch bei Bürgermeisterwahlen in mittleren und kleineren Orten nicht ausgeschlossen: Insgesamt wird in 1920 der 2056 bayerischen Kommunen – von München bis zur Kleingemeinde Jachenau – am Sonntag der Bürgermeister bestimmt.
Kaum zu prognostizieren ist das Abschneiden der Parteien bei den Wahlen zum Gemeinde- und Stadtrat sowie zum Kreistag. 37.300 Mandate sind zu vergeben. Der Passauer Politologe Michael Weigl sagt, die landespolitische Dominanz der CSU lasse deutlich nach, mit Glück werde sie „ihr Ergebnis von 2020 mehr oder minder halten“. Die Linke wiederum werde den Grünen Stimmen wegnehmen. Eine repräsentative Umfrage von „Sat.1 Bayern“ sah die CSU bei 33 Prozent (2020: 34,5 Prozent), dahinter die AfD mit 14 Prozent – wobei die Partei mancherorts, etwa Fürstenfeldbruck, nicht einmal Stadtratslisten aufgestellt hat. Weitere Werte: Freie Wähler 11 Prozent (2020: 11,9 %), Grüne zehn Prozent (17,5 %), SPD nur 8 Prozent (13,7 %).
Ähnlich spannend sind die Landratswahlen. In 62 der 71 Landkreise wird der Chef des Landratsamts neu bestimmt – 21 Mal hört ein Amtsinhaber auf, 15 Mal davon ist es ein CSU-Landrat, womit die Chancen von Kandidaten anderer Couleur steigen. So ist es im Landkreis Miesbach, wo sich nach dem Verzicht von Olaf von Löwis (CSU) nun der bisherige Haushamer Bürgermeister Jens Zangenfeind (FW) Hoffnungen macht. In Bad Tölz-Wolfratshausen wiederum hört mit Josef Niedermeier ein lokales FW-Schwergewicht auf – profitieren könnte Thomas Holz aus Kochel, der derzeit für die CSU im Landtag sitzt. 2020 stellte die CSU 54 Landräte, die Freien Wähler 14, die SPD nur zwei. Die Grünen könnten nun gänzlich leer ausgehen, weil in Miltenberg ihr einziger Landrat krankheitsbedingt aufhört.
Viele Augen richten sich auf das AfD-Abschneiden. Die Partei sei „besser organisiert und deutlich stärker präsent in der Fläche als bei der Wahl 2020“, sagt Politologe Weigl. Eventuell könnte es der ein oder andere AfD-Kandidat in die Stichwahl schaffen. So gibt sich etwa Stephan Protschka, AfD-Landeschef und Landrats-Kandidat in Dingolfing-Landau, siegessicher. Er hatte bei der Bundestagswahl 2025 fast 29 Prozent der Erststimmen geholt, sogar mehr als Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Favorit ist aber Amtsinhaber Werner Bumeder von der CSU. Auch im Kreis Günzburg könnte es der AfD-Kandidat Gerd Mannes gegen CSU-Landrat Hans Reichhart in die Stichwahl schaffen. Allerdings ist sich Politikwissenschaftler Weigl „relativ sicher“, dass sich bei den Stichwahlen die anderen Parteien gegen die AfD verbünden – und der AfD-Bewerber dann verliert. „Die AfD hat auch nicht ansatzweise in bayerischen Kommunen eine Akzeptanz von mehr als 50 Prozent.“