„Es geht in die Verlängerung“

von Redaktion

Für die CSU ist es ein schwieriger Wahlabend mit etwas Licht, aber auch deutlichen Schatten

Er freut sich: Marcus König amtierender Oberbürgermeister von Nürnberg, geht mit Vorsprung in die Stichwahl. © dpa

München – Vom großen Fußballer und mittelgroßen Strategen Andreas Möller stammt das Zitat, er habe „vom Feeling her ein gutes Gefühl“. Ob Möller, von dem noch ein paar ikonische Aussprüche mehr überliefert sind, sich für die bayerischen Kommunalwahlen interessiert, ist ungeklärt. Er hätte mit diesem Satz am Sonntagabend aber sehr gut in die CSU gepasst.

Er sehe an diesem Wahlabend sehr, sehr viele sehr gute Ergebnisse“, sagt Generalsekretär Martin Huber im BR. Auch Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek betont im Gespräch mit unserer Zeitung lieber Erfolge und Teilerfolge in Städten wie Nürnberg, Regensburg, Landshut oder Augsburg, als Problemanalyse zu betreiben. Doch gleichzeitig läuft in München das Rennen ums Rathaus in der zweiten Runde überraschend ohne die CSU. Im Landkreis Miesbach, der Heimat von Landtagspräsidentin Ilse Aigner, geht der Freie-Wähler-Kandidat Michael Koller mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl um die Nachfolge des nicht mehr angetretenen Landrats Olaf von Löwis (CSU). Auch im Landkreis Berchtesgadener Land liegen die Freien Wähler vor der Stichwahl vorne. Und die Stadt Schweinfurt droht nach 16 Jahren aus CSU-Hand zu rutschen.

Doch weil der Wahlkampf für aktive CSU-Funktionäre angesichts des Stichwahltermins am 22. März noch zwei Wochen weiterläuft, braucht es für kritischere Einschätzungen vielleicht auch etwas mehr Abstand vom Tagesbetrieb. Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber kommt jedenfalls zu einer etwas anderen vorläufigen Einschätzung als sein Namensvetter. Die ersten Ergebnisse seien „ein bisserl enttäuschend“, sagt er am Abend unserer Zeitung. Und das, „obwohl die Staatsregierung die Kommunalförderung 2026 extrem angehoben hat“. Doch bei den Wählern sei das „offenbar nicht angekommen“. Huber sieht auch gesellschaftliche Ursachen. Es gebe einen „Anti-Parteien-Effekt“, der die CSU „als Nummer eins in Bayern“ stark treffe. Auch Holetschek ist der Ansicht: „Die AfD saugt Proteststimmen auf.“

Die kommunale Hoheit ist Teil des Selbstverständnisses der CSU. In 71 bayerischen Landkreisen stellte sie vor der Wahl 54 Landräte. Dass mittlerweile auch die Freien Wähler in (vor der Wahl) 14 Landratsämtern saßen, kratzt am eigenen Anspruch. Augen zu und CSU – das gilt vielerorts auch in konservativen Wählerschichten längst nicht mehr als selbstverständlich. Und auch, wenn am Abend noch so oft darauf hingewiesen wird, dass es sich vor allem um Personenwahlen handelt – wenn die CSU hier weiter Boden verliert, geht das natürlich auch mit dem Parteichef und Ministerpräsidenten nach Hause. Markus Söder hält sich am früheren Abend zunächst mit einer eigenen Einschätzung noch zurück.

Bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren war die CSU um gut fünf Prozentpunkte abgesackt und hatte landesweit nur noch 34,5 Prozent der Stimmen bekommen. Der Wert ergibt sich aus den Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten und den Kreistagswahlen in den Landkreisen. Wie er 2026 genau ausfällt, steht erst am Montag fest. Da es anders als bei Bundestags- und Landtagswahlen keine Hochrechnungen direkt um 18 Uhr nach dem Schluss der Wahllokale gibt, dauert es ein wenig, bis sich am Sonntagabend ein klareres Bild ergibt. Stück für Stück laufen Einzelergebnisse ein. Es zeigt sich: Auch etablierte kommunale Größen wackeln. In Garmisch-Partenkirchen verliert die fest im Sattel geglaubte Bürgermeisterin Elisabeth Koch das Rathaus. Der langjährige Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin muss in die Stichwahl.

Melanie Huml vor Stichwahl schon raus

Auch aus der Landtagsfraktion, von der Partei selbst zu ihrer Herzkammer erklärt, kämpfen CSU-ler um kommunale Führungsämter. Die ehemalige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (OB-Kandidatin in Bamberg) und Patrick Großmann (Landratskandidat im Kreis Regensburg) sind vor der Stichwahl aus dem Rennen. Thomas Holz, der im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landrat werden will, geht mit etwas Vorsprung in eine spannende Stichwahl gegen den Freien Wähler Ludwig Schmid. Für Peter Tomaschko, der Gleiches im Landkreis Aichach-Friedberg versucht, sieht es sogar noch etwas besser aus. „Es geht in die Verlängerung“, sagt Fraktionschef Holetschek.

Erwin Huber richtet dabei auch einen Appell an seine Parteifreunde. Auch langjährige Amtsträger „auch der CSU“ müssten sich heute „verstärkt der Kritik stellen“, analysiert er. Denn, so Huber: „Keiner sitzt sicher auf irgendeinem Sessel“. Vielleicht müsse seine Partei auch teils noch lernen, „noch stärker“ auf die Wähler zuzugehen“. Die sei durchaus als Aufforderung gedacht, „noch intensiver lokal zu arbeiten“, sagt Ex-Parteichef Huber.

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