Dominik Krause (vorn) beim Selfie auf der Bühne. © Stache
Um kurz nach 20 Uhr betritt der Mann der Stunde die Bühne: Dominik Krause (35). Er steht vor einer jubelnden Menge, die Muffathalle ist in grünes Scheinwerferlicht getaucht. Dort feiert Krause seine Wahlparty. Krause, einen Blumenstrauß in der Hand, bedankt sich bei seinem Team, umarmt seinen Verlobten auf der Bühne. Dann gibt es das obligatorische Selfie mit dem jubelnden Saal – er strahlt über das ganze Gesicht.
Krause, noch 2. Bürgermeister der Stadt, hat allen Grund zur Freude: Knapp 30 Prozent holte er bei der Wahl zum Münchner Oberbürgermeister und zieht damit in die Stichwahl ein. Von einem „bombastischen Ergebnis“ spricht der Kandidat selbst. Seine Kampagne hatte Erfolg: „Weil mehr geht“ – so lautet der Slogan auf dem Wahlplakat neben dem strahlenden Krause, das ebenfalls auf der Bühne in der Muffathalle steht. Anders als sein Kontrahent in der Stichwahl, OB Dieter Reiter, der mit einem seiner Slogans „Reiter! München! Passt.“ eher für ein „Weiter so“ warb, positionierte sich Krause stärker als Mann des Wandels. Und bediente im Wahlkampf zahlreiche klassische Kernthemen der Grünen.
Um dafür zu werben, war sein Wahlkampfteam in den vergangenen Monaten nahezu ununterbrochen in der Stadt unterwegs: An über 100.000 Türen haben sie geklingelt und dabei rund 50.000 Gespräche mit Wählern geführt. 40.000 Kurzprogramme haben sie verteilt, dazu 5000 Krause-Tees und 500 Krause-Brausen – Brausepulver-Packungen mit dem Kandidaten darauf.
Eine, die für ihren Kandidaten noch bis zum Wahltag in der Stadt unterwegs war, ist Aylin Zara Krüger (19). Auf der Wahlparty trägt sie ein T-Shirt, auf dem der Grünen-Kandidat in mehreren Posen abgebildet ist. Als „Krause-Ultras“ bezeichnet sich ihre Gruppe von der Grünen Jugend auch selbst: „Es war der anstrengendste, aber auch schönste Wahlkampf“, sagt sie. Alle hätten zusammengeholfen, um ihren Kandidaten rund um die Uhr zu unterstützen: „Gefühlt 24 Stunden am Tag habe ich mich mit der Kampagne beschäftigt“, sagt sie. Sie hätten kreative Projekte geplant, Wahlkampfstände gestaltet und Partys organisiert, um Jung und Alt zu mobilisieren. Es hat sich gelohnt. Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Mona Fuchs zeigte sich höchst zufrieden mit der Kampagne: „Das Engagement war hervorragend – vor allem halfen auch unsere zahlreichen neuen Mitglieder mit.“
Dass der Erfolg nicht nur an Krause lag, sondern auch am kurz vor der Wahl publik gewordenen Skandal um OB Reiter und den FC Bayern, darüber wird auf der Wahlparty ebenfalls gemutmaßt. Manche sprechen vom „FC-Bayern-Effekt“. Krause sagt: „Ich will darüber ehrlich gesagt nicht spekulieren.“ Er wolle erst mal mit seinem Team feiern: „Da wird bestimmt der ein oder andere Sektkorken knallen.“JULIAN LIMMER