Dominik Krause macht ein Selfie beim Feiern. © dpa
München – Er ist die Überraschung des Wahlabends: Dominik Krause zieht mit 29,5 Prozent gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) in die Stichwahl ein. Der SPD-Kandidat kam nur auf 35,6 Prozent der Stimmen – und der CSU-Kandidat ist ganz raus. „Bombastisch.“ So beschrieb es Münchens Zweiter Bürgermeister am Wahlabend in der Muffathalle selbst, als er um kurz nach 20 Uhr auf der Wahlparty der Grünen aufschlug. Dort wurde dann gefeiert, mit dabei: Krauses Verlobter, der Arzt Sebastian Müller. Wenig später zog Krause weiter, schaute bei der Wahlparty der Kleinpartei Volt vorbei. Deren Spitzenkandidat Felix Sproll hat bereits angekündigt, Krause in der Stichwahl zu unterstützen. Jede Stimme zählt.
Hilfe gibt es auch von anderen: Denn bereits in der Nacht haben die Grünen erste Plakate für die Entscheidung um den Rathaus-Chefsessel geklebt. Und alle gratulierten, als Erster übrigens der CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner, danach auch OB Dieter Reiter. Man wolle fair miteinander umgehen in den kommenden Wahlkampftagen, vereinbarten die beiden.
Doch wer ist der mögliche erste grüne Oberbürgermeister? Der 35-Jährige ist in München geboren und in Untermenzing aufgewachsen. Hobbys: ganz unspektakulär Joggen und Wandern in den Bergen. Von 2012 bis 2014 war Krause Sprecher der Grünen Jugend in München. 2014 wurde er in den Stadtrat gewählt, war 2022 und 2023 Fraktionschef. Seit Oktober 2023 ist er berufsmäßiger Zweiter Bürgermeister – in München kein Ehrenamt, sondern ein Fulltime-Job.
Jetzt, nach dem ersten Durchgang, stapelt er tief. „Ich freue mich natürlich, aber noch ist nichts gewonnen“, sagte er. „In unserer Stadt funktioniert vieles gut, München ist wahnsinnig lebenswert.“ Aber es gebe eben große Herausforderungen, insbesondere beim bezahlbaren Wohnen oder der Mobilität. Das Ergebnis zeige, „dass sich viele Menschen von der Politik Antworten wünschen und nicht nur eine Verwaltung des Status quo“. Wähleranalysen zeigen, dass Krause viele Nichtwähler mobilisieren konnte. „Alle sind bis in die Haarspitzen motiviert“, sagt Krause. „In den nächsten beiden Wochen werden wir in der ganzen Stadt für einen Aufbruch an der Stadtspitze werben und dabei auf unsere Kernthemen bezahlbares Wohnen, ÖPNV-Ausbau und Energieunabhängigkeit setzen.“
Alles andere wird jetzt hintangestellt. Auf die Frage, wann denn die Hochzeit mit seinem Verlobten geplant sei, antwortet Krause schlicht: „Noch ist nichts geplant, dafür war keine Zeit.“ Über das Private mache er sich erst Gedanken, wenn es so weit ist. „Politisch werde ich ab Tag eins für mehr bezahlbares Wohnen arbeiten“ – die Hauptsorge der Münchner und eigentlich aller Bayern, wie eine BR-Umfrage vor der Wahl gezeigt hatte. Nach Ausruhen klingt das alles nicht. Die Wahl, weiß Krause, wird kein Selbstläufer: „Schlafen kann ich wann anders, jetzt heißt es raus in die Stadt und zu den Münchnern.“SASCHA KAROWSKI