Sechs Fortschritte, die die Heilungschancen erhöhen

von Redaktion

Krebsspezialist und Chefarzt Professor Martin Angele erklärt den neuesten Forschungsstand bei der Tumorbehandlung

Hightech im OP-Saal: Professor Martin Angele beim Eingriff mit dem Da-Vinci-Roboter. © THOMAS SEHR

München – Prof. Martin Angele gehört zu Bayerns erfahrensten Tumoroperateuren. Im Gespräch mit unserer Zeitung macht der Viszeralchirurg und Chefarzt im Klinikum Garmishch-Partenkirchen Patienten Mut: „Heute gilt: Selbst fortgeschrittener Darmkrebs ist häufiger heilbar als noch vor wenigen Jahren. Für viele Patienten bedeutet dies eine neue Perspektive – und eine realistische Hoffnung auf langfristige Heilung und gute Lebensqualität.“ Hier erklärt Angele sechs wesentliche Entwicklungen.

■ Immuntherapien

Neue Medikamente wie Nivolumab und Ipilimumab – teils in Kombination verabreicht – zeigen deutlich bessere Ergebnisse als klassische Chemotherapien. In Studien verschwanden Tumore bei einem Teil der Patienten vollständig. Manchen Patienten blieb dank Immuntherapien sogar eine OP erspart, andere konnten zumindest schonender operiert werden.

■ Chemo & Bestrahlung

Hier kommt immer öfter eine neue Strategie zum Einsatz, Experten sprechen von der „total neoadjuvanten Therapie“. Bedeutet: Früher erfolgte die Chemo meist nach der OP. Heute werden bei vielen Patienten Chemo- und Strahlentherapie gezielt vor der Operation kombiniert. Diese Vorbehandlung verkleinert Tumore oft deutlich und erleichtert die chirurgische Entfernung. Dadurch können häufiger minimalinvasive oder roboterassistierte Operationen durchgeführt und der Schließmuskel erhalten werden.

■ Hightech-Operationen

Es kommt seltener zu Komplikationen, viele Patienten erholen sich schneller. Roboterassistierte und minimalinvasive Verfahren ermöglichen präzise Tumorentfernungen mit besserer Schonung von Nerven und Gewebe. Dies reduziert Komplikationen, verbessert funktionelle Ergebnisse wie Kontinenz und Sexualfunktion.

■ Strategien

Bei schweren Fällen können dank moderner Chemo- und Immuntherapien Metastasen häufig verkleinert und anschließend operativ vollständig entfernt werden (Conversion-Therapie). Auch wiederholte Operationen bei Metastasen oder Rückfällen sind heute möglich und auch oft erfolgreich. Ergänzend kommen minimalinvasive Verfahren und interventionelle radiologische Techniken wie zum Beispiel die gezielte Verödung von Metastasen zum Einsatz.

■ Bessere Diagnostik

Bluttests mit zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) können kleinste Tumorreste oder Rückfälle frühzeitig erkennen. Molekulare Tumoranalysen ermöglichen die Auswahl gezielter Medikamente und helfen zu entscheiden, wann eine Operation sinnvoll ist.

■ Expertenteams

In professionellen Kliniken arbeiten Chirurgen, Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Psychoonkologen eng zusammen, um für jeden Betroffenen ein individualisiertes Therapiekonzept zu erarbeiten. Dadurch werden die Behandlungsergebnisse nachweislich besser. Tipp: Erkundigen Sie sich nach dem interdisziplinären Konzept.ANDREAS BEEZ

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