So machen wir uns selber glücklich

von Redaktion

Einfach in der Natur abschalten, auch das kann das Glücksgefühl erheblich steigern. © IMAGO/Daniel Ingold

Leicht aufgeholt: Deutschland hat sich im Glücksranking von Platz 22 auf 17 verbessert. © dpa/Aktualisierung: MM

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München – Der Winterblues ist vorbei, der Frühling beginnt. Und mit dem Frühling – das behaupten jedenfalls viele Gedichte und Lieder – beginnt auch das Glück. Die Gründerväter der USA nahmen das individuelle „Streben nach Glück“ als eines der „unveräußerlichen Rechte“ in ihre Unabhängigkeitserklärung auf. Seit 2012 ist der Frühlingsanfang am 20. Mai zugleich Weltglückstag (ausgerufen durch die Vereinten Nationen). Und das Königreich Bhutan im Himalaya hat das „Bruttonationalglück“ in seiner Verfassung verankert. Regelmäßig wird das Volk nach seiner Zufriedenheit befragt.

Glaubt man dem Weltglücksbericht, der erst kürzlich neu erschienen ist, sind die Finnen weiterhin die weltweit glücklichsten Menschen. Auf der Glücksskala erreichen sie immerhin 7,76 von zehn möglichen Punkten (siehe Grafik). Deutschland hat sich ein wenig nach vorn gearbeitet, von Rang 22 im vergangenen Jahr auf aktuell Platz 17 – und hat damit seinen Nachbarn Österreich überholt, das um zwei Plätze auf Rang 19 zurückgefallen ist.

Wie man Glück definiert, hängt von der Perspektive ab. Hirnforscher unterscheiden zwischen Glück und Zufriedenheit. Zufriedenheit ist demnach das Gefühl innerer Ausgeglichenheit und wird bestimmt durch die Gene, die Umwelt und durch Kindheitserfahrungen. Glücksgefühle sind eine positive Abweichung vom eigenen Zufriedenheitslevel. Das Gehirn schüttet eine Mischung aus Botenstoffen wie Dopamin, Endorphinen, Oxytocin und Serotonin aus. Diese Glückshormone aktivieren das Belohnungssystem, senken Stresshormone (Cortisol), stärken das Immunsystem und führen zu körperlicher Entspannung, zu Antrieb und Euphorie. Die Abweichung ist freilich zeitlich begrenzt, Glücksgefühle lassen also wieder nach.

Psychologen raten deshalb, am langfristigen Glück zu arbeiten. Die Psychologin und Coachin Nanni Glück trägt den erstrebenswerten Zustand schon im Namen. Wahres Glück, sagt die 53-Jährige, sei „subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit“. Es gehe nicht um kurze Hochs, sondern um ein langfristiges Gefühl. Viele Menschen würden glauben, ihre Zufriedenheit hänge vorwiegend von äußeren Umständen ab. „Und dann tappen wir relativ schnell in die Wenn-Dann-Falle.“ Wenn ich meinen Job ändere, endlich einen tollen Partner habe, wenn ich in Rente bin – dann werde ich glücklich sein. In diesem Denken wird Glück immer wieder auf später verschoben.

Ganz losgelöst von äußeren Umständen funktioniert Glück allerdings nicht. „Es braucht bestimmte äußerliche Rahmenbedingungen, damit ich von so etwas wie innerer Zufriedenheit reden kann“, sagt Glück. Grundbedürfnisse wie Sicherheit, ein Dach über dem Kopf, ein verlässliches Einkommen. Sind diese Grundlagen erfüllt, rücken andere Fragen in den Vordergrund: Wie kann ich meine Stärken nutzen? Wo habe ich das Gefühl, etwas bewirken zu können?

Glück kann Experten zufolge aktiv gefördert werden. Oft sind es ganz einfache Dinge, die uns glücklicher machen: positive Momente bewusst wahrnehmen, auch mal ohne Anlass lächeln, Komplimente machen, Musik hören. Sonnenwärme auf der Haut, das Rauschen von Blättern oder der Duft von etwas, das wir gerne mögen. All das steigert das Wohlbefinden. Ganz wichtig ist Bewegung. Sport setzt Endorphine frei, die im Gehirn ein Gefühl der Euphorie und Zufriedenheit erzeugen. Positive soziale Beziehungen fördern die Ausschüttung von Neurotransmittern, die das Stresshormon Cortisol reduzieren.

Nanni Glück empfiehlt als Selbstexperiment starke Sinnesreize wie eine kalte Dusche am Morgen – oder barfuß durchs Gras gehen, um wieder in Kontakt mit der „eigenen Lebendigkeit“ zu kommen. Neues wagen, Routinen durchbrechen. Und Verspieltheit. „Wenn wir verspielt sind, ist unser Gehirn bereit, sich neuroplastisch zu verändern.“ In solchen Momenten entwickle man sich weiter, wachse manchmal sogar über sich hinaus. Wer dauerhaft gestresst sei, reagiere nur noch, statt aktiv zu handeln. Am Ende, sagt Glück, gehe es beim Thema Glück um ein stabiles, freundliches Verhältnis zum eigenen Leben.

Studien zufolge sind Kinder bis neun Jahre im Schnitt am glücklichsten. In der Pubertät nimmt die Lebenszufriedenheit ab, steigt bis 70 Jahre wieder leicht an und sinkt im hohen Alter erneut. Kinder haben eine höhere emotionale Unbeschwertheit, das Glück von Erwachsenen ist komplexer.

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