Michael Shvo: Welche Rolle hat er bei den Entscheidungen gespielt? © imago
München – Teure Abendessen im Münchner Nobelrestaurant Koi, Drinks und Diner in der Polo Bar in New York, Übernachtungen in teuren Hotels, Luxusreisen: Der US-Immobilienmakler Michael Shvo weiß, wie man lebt – und teilte diese Genüsse laut Medienberichten wohl auch mit Mitarbeitern der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). Über die ebenfalls aus München stammende Anlagevermittlung Deutsche Finance Group investierte die Pensionskasse, die Geld für Berufsgruppen wie Ärzte oder Beamte anlegt, 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien. Viele davon stammten aus dem Portfolio des Immobilienentwicklers Shvo und waren auf den zweiten Blick nicht mehr ganz so glanzvoll wie der Lebensstil des mit einem Model verheirateten Shvo, der sich bereits 2018 in Amerika des Steuerbetrugs beim Kauf von Kunstwerken schuldig bekannt hatte. Für 3,5 Millionen US-Dollar Strafe wurde der Fall ad acta gelegt.
Schon im Sommer 2025 berichtete die „Abendzeitung“, dass sich die BVK mit den US-Investments verzockt hat. Seither wird scheibchenweise bekannt, wie hoch die Verluste sein könnten, mittlerweile ist von maximal 853 Millionen Euro die Rede. Der tatsächliche Verlust könne aber etwas niedriger sein, beteuert BVK-Chef Axel Uttenreuther im Interview mit unserer Zeitung. Exakte Zahlen kann oder will die Kammer aber noch nicht nennen. Sie verweist jedoch darauf, dass den durch einzelne Investments verursachten Verlusten auch hohe Gewinne in der Vergangenheit gegenüberstehen.
Dennoch beschäftigen sich die Anwälte bereits mit dem Fall. Zum einen hat die BVK zwei Mitarbeitern gekündigt, die sich gerichtlich wehren – bisher mit Erfolg. Die Kammer wirft ihnen ein „nicht angemessenes Näheverhältnis“ zu Shvo vor. Dabei soll es nicht nur um luxuriöse Geschäftsreisen, sondern auch um Praktikumsstellen für Angehörige bei Shvo und der Deutschen Finance gegangen sein, berichtet die „Abendzeitung“. Auch die Staatsanwaltschaft hat die BVK proaktiv eingeschaltet.
Die auf Finanzskandale spezialisierte Kanzlei Mattil prüft ihrerseits Klagen gegen die BVK. Weil die BVK auch die Altersvorsorge der Anwälte anlegt, sind diese selbst betroffen. Sie befürchten, dass es bei der BVK weitere problematische Investments gibt, und wollen unter anderem eine Sonderprüfung des gesamten BVK-Portfolios durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer erreichen.
Pikant: Das alles lief unter den Augen des bayerischen Innenministeriums. Üblicherweise kontrolliert die Finanzaufsicht Bafin bundesweite Einrichtungen der Altersvorsorge. Da die BVK aber eine Institution der Länder ist, ist der Freistaat verantwortlich. Der habe bei der Aufsicht geschlafen, bemängelt die Opposition im Landtag. Das Ministerium wehrt sich dagegen. Die BVK müsse Rendite erzielen, antwortete es auf eine Anfrage der SPD zur BVK. Dabei sei sie vor allem bei einzelnen Investments „frei von Weisungen“. Im Zuge eines im März im Landtag verabschiedeten Gesetzes zur Entbürokratisierung ist diese Berichtspflicht übrigens weitestgehend weggefallen. „Angesichts der gigantischen Verluste kann man sich da nur verwundert die Augen reiben“, sagt der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn.HÖSS