Bad Tölz-Wolfratshausen – Man darf alles in allem schon von einer faustdicken Überraschung sprechen, auch wenn sie sich nach der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen bereits angebahnt hatte, am Ende sogar recht deutlich ausfiel – und manches so bleibt, wie es schon vorher war. Auf den Freien Wähler, Klarinettenspieler und gelernten Bäcker Josef Niedermaier, der rund 18 Jahre das Landratsamt in Bad Tölz führte, folgt ein weiterer Freier Wähler, Klarinettenspieler und gelernter Bäcker.
Ludwig Schmid, der mit seinem Bruder das Unternehmen Schmid-Bäck‘ mit rund 40 Mitarbeitern in Geretsried führt, hat die Stichwahl gegen CSU-Kandidat Thomas Holz gewonnen – mit 60,9 zu 39,1 Prozent. Am Sonntagabend vor zwei Wochen hatte Holz noch knapp vor dem 48-jährigen Schmid gelegen – allerdings auch da schon weniger klar, als von einigen vorher erwartet.
Mit Schmid kommt nun erstmals seit der Kreisgebietsreform ein Landrat aus Geretsried, der im Norden gelegenen größten Stadt in dem auch von einer latenten Nord-Süd-Konkurrenz geprägten Landkreis. „Es ist ein Wahnsinn, was für einen Zuspruch ich erhalten habe“, sagte Schmid am Sonntagabend. Er sei „überwältigt“.
Wahlverlierer Holz (50), der von 2007 bis 2020 Bürgermeister der im Süden gelegenen Gemeinde Kochel am See war, ist Teil der CSU-Landtagsfraktion und seit 2014 stellvertretender Landrat. Er wurde im Wahlkampf-Finale auch von CSU-Chef Markus Söder persönlich unterstützt. „Ich bin enttäuscht“, sagte Holz am Sonntagabend. Angesichts der starken Mobilisierung im Norden aufgrund von Bürgermeister-Stichwahlen in den Städten Geretsried und Wolfratshausen sei er zwar nicht mehr überrascht, dass die Stichwahl verloren ging – „aber in der Deutlichkeit schon“.HOR, VA, AST