Aus und vorbei: Dieter Reiter verlässt die politische Bühne. © Achim Schmidt
München – Als die ersten Zahlen über die Bildschirme im Oberangertheater flimmern, bläst der Münchner SPD-Chef Christian Köning die Wangen auf, schnauft. Dieter Reiter (67), der die Stadt zwölf Jahre lang als Oberbürgermeister regiert hat und bis vor drei Wochen als haushoher Favorit galt, ist abgewählt. Nicht knapp, sondern krachend. Auf den Wahlplakaten der SPD stand: „München. Reiter. Passt“. Die überwiegende Mehrheit der Wähler sieht das jetzt anders.
Anne Hübner (47), Fraktions-Chefin der SPD im Rathaus, sagt: „Das hätte ich in der Deutlichkeit nicht erwartet. Es tut brutal weh.“ Und Reiter selber, der wenig später die Bühne des Oberangertheaters betritt, gibt zu: „Ich hab‘s verbockt!“ Nämlich mit seinem Nebenverdienst beim FC Bayern, den er sich nicht vom Stadtrat hatte genehmigen lassen – was ihn massiv Stimmen kostete. Die Münchner: Sie vertrauen ihm nicht mehr. Und Reiter, der auch ohne OB-Amt einen Sitz im Stadtrat hätte, zieht die Konsequenzen. Er sagt: „Das ist heute der letzte Tag meiner politischen Karriere. Das war‘s von mir.“
Dabei hatten Reiter und seine SPD zuletzt wieder gehofft – trotz des FC-Bayern-Wirbels. Der OB hatte sich zwei Wochen Urlaub genommen, um Wahlkampf zu machen. „Es wäre cool gewesen, wenn er das ein, zwei Monate vorher schon so gemacht hätte“, sagt ein Wahlkämpfer. „Das hätte ihm und auch der Partei möglicherweise ein besseres Ergebnis beschert.“
Monatelang war vom OB eben nichts zu sehen im Wahlkampf. Dann doch und zwar wenig ruhmreich. Ein Fettnäpfchen nach dem anderen, manche mit Anlauf und Ansage. „Ich habe drei Wochen lang falsch gemacht, was man falsch machen konnte: kommunikativ schlecht, und der Eindruck ist entstanden, ein OB halte sich nicht an Regeln“, hatte Reiter unserer Zeitung noch gesagt. „Ich kann dafür nur um Entschuldigung bitten.“ Zu wenig, zu spät offenbar. Nicht mal die Wahlempfehlung der CSU half. SPD-Urgestein Franz Maget am Wahlabend: „Das war den CSU-Wählern egal. Warum sollten die zur Urne strömen und einen Sozi wählen?“
Jetzt beginnt die Aufarbeitung. Fraktionschefin Hübner hatte bereits am Samstag in den Sozialen Medien bekannt: „Die letzten Wochen waren der blanke Horror, auch das vergangene Jahr nicht einfach.“ Markus Rinderspacher (56), Vizepräsident des Landtags, sagte: „Da nutzen auch zwölf sehr gute Jahre Amtszeit nichts, wenn ein Wahlkampf vom Spitzenkandidaten so geführt wird, wie er geführt wurde.“ Für Reiter ist es das politische Ende. Eine Regierungsbeteiligung der SPD im Rathaus ist trotzdem wahrscheinlich. Der neue OB Dominik Krause hat bereits angekündigt, dass die SPD sein Wunsch-Koalitionspartner ist.SKA, DAP