Der Kranich hält trotz Dauerkrise Kurs

von Redaktion

Staatlich subventionierte Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten und Asien sind eine mächtige Konkurrenz

Größter Aktionär ist Klaus-Michael Kühne (88), hier mit Ehefrau Christine. © imago

München – Der Iran-Krieg, steigende Kerosinpreise, die Wirtschaftsflaute und natürlich auch die Streiks von Personal und Piloten: Ausgerechnet das Jubiläumsjahr der Lufthansa wird überschattet von Krisen und Problemen. Mal wieder, könnte man sagen: 2022 schnellten die Kerosinpreise wegen des Ukraine-Krieges schon mal nach oben, in der Corona-Pandemie stoppte der Flugverkehr fast ganz, und weil Boeing und Airbus mit Lieferproblemen kämpfen, fliegt die Kranich-Linie heute mit einer zerzausten Flotte um die Welt.

„In der Flugzeugbranche ist eigentlich immer Krise“, bestätigt Luftfahrt-Experte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka. „Trotzdem ist die Lufthansa zur größten Airline Europas aufgestiegen, während Air Berlin oder LTU verschwunden sind.“ Der Konzern mit über 100.000 Mitarbeitern und Töchtern wie Swiss International, Austrian Airlines, Air Dolomiti oder Eurowings hat mit seinen fast 750 Flugzeugen 2025 einen Rekordumsatz von fast 40 Milliarden Euro erzielt. Weltweit bedeutet das Platz 4 hinter den US-Riesen American Airlines und Delta sowie dem Billigflieger Ryanair.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere: Staatlich subventionierte Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten und Asien machen den Deutschen mächtig Konkurrenz. Die Lufthansa hat zuletzt zwar 135 Millionen Fluggäste pro Jahr transportiert. Global ist das aber nur noch Platz 14, zeigen Zahlen des Branchenverbandes IATA. Davor befinden sich zum Beispiel Air China, China Southern und Eastern oder Emirates. United aus den USA ist mit fast 400 Millionen Passagieren den Europäern ohnehin längst entschwebt.

■ Altverträge wecken Begehrlichkeiten

Umso wichtiger ist für die Lufthansa Profitabilität – der Hauptgrund für die dauernden Streiks bei Piloten und Bodenpersonal. Denn gerade bei der Kernmarke gibt es noch viele gutbezahlte Altverträge. „Das weckt Begehrlichkeiten, um an der Kostenschraube zu drehen“, sagt Lufthansa-Experte Speich.

Die Bezahlung ist bei der einstigen Staatsairline ein Dauerthema. Erst nach mehreren Verlustjahren in Folge gingen in der großen Privatisierungswelle der 1990er, in der die Telekom privatisiert wurde, auch die letzten Lufthansa-Anteile des Bundes an Investoren.

Zu ihnen gehören neben dem Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne, der als größter Aktionär 15 Prozent der Lufthansa besitzt, heute viele Privatanleger und Fondsgesellschaften wie Deka. Dort macht man sich bisher wenig Sorgen, dass der Krieg im Nahen Osten den Kranich ins Trudeln bringt – obwohl die Lufthansa die Hälfte ihres Kerosins von dort bezieht. Sie habe 75 Prozent ihrer Treibstofflieferungen aber gegen steigende Preise abgesichert, berichtet Deka-Experte Speich. Steigen die Ticketpreise wegen des Konflikts, könnte die Lufthansa kurzfristig also sogar profitieren.ANDREAS HÖSS

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