Die Lufthansa will noch höher hinaus

von Redaktion

Neuen Luxus verspricht das Programm „Allegris“. Hier ein Blick in die neue erste Klasse. Links wird 1979 Nachspeise serviert; unten eine Visualisierung, wie der T-Stiel aussehen könnte. Rechts der Frachtraum einer Boeing 777 und ein Porsche beim Verladen. © AFP/dpa/Lufthansa

Stewardessen im Jahr 1970 (li.). Rechts Ministerpräsident Markus Söder und Lufthansa-Chef Carsten Spohr gestern am Flughafen. © Lufthansa/dpa

Erdinger Moos – Es herrscht Festtagsstimmung im Lufthansa-Hangar. Wo sonst geschraubt wird, steht jetzt ein Airbus A350-900 mit nagelneuer Jubiläumsmarkierung. Eine Blaskapelle spielt, die Lufthansa hat ihre Trachten-Crews geholt, Flugbegleiterinnen im Dirndl, es gibt eine Videoshow und Häppchen. Eigentlich ist es nur ein Festakt zum 100. Geburtstag der Lufthansa. Aber natürlich geht es um mehr. Passend zum Jubiläum haben Lufthansa und die Flughafen München GmbH (FMG) einen neuen Deal eingefädelt, einen „Mega-Deal“, wie es Ministerpräsident Markus Söder in seiner Ansprache dann nennt.

Die Lufthansa in München bindet sich weiter langfristig an das Erdinger Moos, verlängert ihre „strategische Partnerschaft“ um gleich 20 Jahre, von 2036 bis 2056.

Der Hintergrund: Für den Betrieb des Terminal 2 und des auf dem Vorfeld gebauten Satelliten haben Lufthansa und FMG die T2-Gesellschaft gegründet, der Vertrag läuft aber 2036 aus. In monatelangen Verhandlungen, wie Finanzminister Albert Füracker betont, haben sich beide Partner jetzt auf die Verlängerung geeinigt. Der Aufsichtsrat der FMG gab bereits seine Zustimmung. Warum das wiederum?

Im Raum steht (wir berichteten) ein großes Bauvorhaben, das der Vizechef der Grünen im Landtag, Johannes Becher, gegenüber unserer Zeitung schon als „Größenwahn“ bezeichnet hat: der sogenannte T-Stiel. Das ist ein Anbau an den Satelliten Richtung Osten. Von der Draufsicht würde der Gesamtkomplex dann wie ein T aussehen, daher T-Stiel.

Mit Details geizen die Gesellschaften noch. „Wir sind erst am Anfang, jetzt geht es in die Planung“, sagt der Münchner Lufthansa-Statthalter Heiko Reitz. Nur so viel: Mit einer Kapazität von zehn Millionen Passagieren jährlich soll der T-Stiel noch größer werden als der nun fertiggestellte Anbau an das Terminal 1, der sogenannte Pier, der am 13. April offiziell eröffnet werden wird.

Zu den Kosten wird an diesem Montagnachmittag nichts bekannt. Wenn man aber bedenkt, dass der T1-Pier, der für sechs Millionen Fluggäste im Jahr ausgelegt ist, 664 Millionen Euro gekostet hat, so könnte der T-Stiel mit seinen zehn Millionen Passagieren bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2035 auch die Milliarden-Marke überschreiten. Lufthansa und die FMG müssen das aus Eigenmitteln bestreiten. „Ich habe nicht vor, da Steuermittel reinzustecken“, sagt Füracker im kleinen Kreis.

Ganz durch ist der „Megadeal“ indes noch nicht, denn auch der Münchner Stadtrat muss zustimmen. Für den frisch gewählten Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen hat Söder (ohne Krause beim Namen zu nennen) gleich einen Rat: Er hoffe „doch sehr, dass die Landeshauptstadt da mitmacht“.

Es geht also wieder um sehr viel Geld. In seiner Bedeutung für den Freistaat könne die Lufthansa gar nicht überschätzt werden, sagt Ministerpräsident Söder: 140 stationierte Flugzeuge, über 13 000 Mitarbeiter, derzeit jede Woche eine neue Maschine, die wieder 220 Mitarbeiter, so viel wie ein mittelständischer Betrieb, neu bindet. „Bayern ist stolz darauf, dass die Lufthansa so stark ist“, sagt er.

Nur am Rande kommt die umstrittene dritte Startbahn in den Reden vor. Carsten Spohr, Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, pocht darauf, dass sie eine Option bleiben müsse – aber das hatte er auch schon vergangene Woche beim Heimatempfang des Finanzministers gesagt. Söder ist das Thema heute nicht so wichtig: „Über Startbahnen reden wir heute nicht, wir haben noch genug.“

Viele der 450 Festgäste im Lufthansa-Hangar dürften ohnehin nicht so an politischen Langfrist-Überlegungen interessiert sein. Sie hören bei Häppchen und Getränken den Reden zu, aber bald danach leert sich der Hangar spürbar, vor allem viele Flugbegleiterinnen verlassen die Halle. Die Arbeit ruft.

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